Kojotenhöhle

Was dich hier erwartet, ist nicht der Versuch, irgendetwas zu umschreiben. Ich nenne die Dinge durchaus beim Namen, auch wenn ich versuche, das niveauvoll zu tun. Und ich versuche außerdem, Geschichten zu erzählen, in denen der Sex ein Teil des Ganzen ist und nicht der einzige Teil. Man findet hier wohl auch Grenzwertiges für manche Geschmäcker. Ob man es als BDSM-artig oder als abartig empfindet, liegt dabei ganz im Auge des Betrachters.

Wenn es dir gefällt, lass es mich wissen. Wenn es dir nicht gefällt, gerne auch. Hinterlass mir einen Kommentar oder schreib es mir per Mail an Mike.Stone bei gmx.net .

Samstag, 18. April 2015

Soulmates - Teil 07

Soulmates
Eine Westside-Story - irgendwie...
© 2012-2015 Coyote/Kojote/Mike Stone


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VII. - Madhouse

Trapped, in this nightmare,
I wish I'd wake,
As my whole life begins to shake.
Four walls, surround me,
An empty gaze.
I can't find my way out of this maze.

Anthrax - Madhouse (1985)

Als ich aufwachte, stand Estella neben meinem Bett und sagte sanft meinen Namen.
Sie trug wieder ihr Kleidchen. Oder ein anderes, das völlig identisch war. Und sie sah absolut untadelig aus. Was den Schluss nahelegte, dass sie zwischenzeitlich noch einmal duschen war. Oder sich zumindest frisch gemacht hatte.

„Die Señora lässt fragen, ob du dich gut genug fühlst, dich zum Abendessen nach unten zu begeben“, verkündete sie, nachdem offensichtlich war, dass ich nicht mehr schlief.

Abendessen? Fuck, hatte ich etwa den kompletten Tag verschlafen? Es fühlte sich zwar ganz und gar nicht so an - insgesamt signalisierte mein Körper mir eher eine Nacht überstandener Folter - aber offenbar war es doch mehr als ein kurzes Nickerchen nach dem Sex gewesen.
Oh… Oh fuck, der Sex. Verflucht, den Sex, den ich mit dem Hausmädchen der Frau gehabt hatte, in die ich verknallt war, hatte ich gnädigerweise verdrängt. Aber glücklicherweise war auf mein Hirn Verlass, was die Auffrischung unliebsamer Erinnerungen anging.
Seufzend sah ich Estella dabei zu, wie sie mich angrinste und sich dann ihr Kleidchen im Rücken öffnete, um es an ihrem wieder einmal reichlich nackten Körper hinabgleiten zu lassen. Irgendwie schien sie nur diese Halterlosen in ihrer Unterwäscheschublade zu haben. Aber… ähm… wieso genau tat sie das eigentlich gerade?

„Außerdem lässt sie ganz inoffiziell anfragen, ob du so lieb sein könntest, ihr vor aufgestauter Geilheit fast nutzloses Hausflittchen kurz zu beglücken“, säuselte sie vergnügt. „Das Miststück ist kaum zu gebrauchen, so überdreht ist es. Ihre Worte, nicht meine…“

Irgendwie war ich bereit, daran Zweifel anzumelden. Ihr Gesicht sah mir doch schalkhaft genug aus, dass diese Idee komplett auf ihrem Mist gewachsen sein mochte. Wobei andererseits so eine Aufforderung perfekt zu dieser abgefuckten, anderen Seite von Helen passte, dich ich jüngst kennen lernen musste.
Noch nicht ganz beisammen und reichlich groggy, war es mir irgendwie unmöglich etwas Sinnvolles vorzubringen, als sie sich über meinen Kopf kniete. Zugegebenermaßen war ziemlich offensichtlich, dass sie wirklich sehr erregt war. Die Nässe auf ihren Innenoberschenkeln reichte bis zu den Strumpfbändern und ihre Schamlippen waren heftig geschwollen.
Mit dem nagenden Gefühl im Hinterkopf, ich sollte mich eigentlich nicht darauf einlassen, unternahm ich doch nichts, als sie ihre Pussy meinem Mund entgegensenkte. Wenigstens erwartete sie nicht von mir, sie wieder zu ficken…

Was ich tat, war extrem uninspiriert und ziemlich mechanisch. Im Grunde war ich an Estella nicht interessiert, auch wenn sie mir wenig Gründe lieferte, sie nicht zu mögen. Aber das war ehrlich gesagt kein Hindernis. Ich hatte sehr viel intensiveren Sex mit Frauen gehabt, die ich wesentlich weniger sympathisch fand. Vor allem in den vergangenen Monaten.
Meinem Körper war es offenbar auch reichlich egal, ob ich nun auf sie als Person stand. Ihre Geilheit hatte eine durchaus erregende Qualität und auf einer eher instinktiven Ebene machte mich die unverkennbare Begeisterung, der sie lautstark Ausdruck verlieh, sogar ein klein wenig stolz auf meine halbherzige Leistung.
Jedenfalls bis sich mein Kopf endlich klärte. Was ungefähr mit ihrem ziemlich feuchten Orgasmus zusammenfiel. Ich war bereits gedanklich auf der richtigen Spur, als sie von mir abstieg, aber sie war so freundlich, mir dennoch auf die Sprünge zu helfen.

„Denk bitte nicht, ich würde das nur machen, um die Señora zu überzeugen“, sagte sie leise. „Du bist wirklich unglaublich. Ich spiele das nicht. Ich… übertreibe nur ein wenig, damit sie es auch wirklich mitbekommt.“

Ich gab keine Antwort darauf. Ich starrte sie nur reichlich fassungslos an. Und natürlich lieferte sie keine weitere Erklärung. Das war in diesem Haus ja verpönt.

„Beeil dich lieber“, schlug sie vor, während sie wieder in ihr Kleidchen schlüpfte. „Sie warten schon auf dich.“

Während die Latina daraufhin das Zimmer verließ, wurde mir bewusst, wer ‚sie‘ genau waren. Da war ja nicht nur Helen, zu deren Beruhigung dieses ‚Penner fickt Hausmädchen‘ Spiel gespielt wurde, sondern auch noch Jo, die ohne jede Spur eines Zweifels nicht weniger von allem mitbekommen hatte, als ihre Mutter.
Was würde sie über diese Sache denken? Würde sie es verstehen? Würde sie mir eine Chance geben, es zu erklären? Würde sie mir gleich die Augen auskratzen oder damit warten, bis wir unter uns waren?
‚So stolz, dass es fast schon als Geisteskrankheit durchgeht‘, hatte sie gesagt. Gott, ich stecke in Schwierigkeiten! Und ich hatte sie verdammt noch mal auch verdient!

So schnell ich konnte, zog ich mich an und machte mich ganz oberflächlich frisch, damit ich nicht für weitere Verzögerungen sorgte. Ich hatte es zugegebenermaßen nicht eilig, mich Jo zu stellen, aber gleichzeitig wollte ich auch so schnell wie möglich die Gelegenheit haben, ihr irgendwie zu signalisieren, dass die Dinge anders lagen, als es den Anschein machte.
Oh… Yay! Ich wollte ihr sagen, dass es nicht so war, wie es aussah. Wann hatte das wohl jemals funktioniert? Und war es eigentlich die Wahrheit?
Immerhin fickte ich Estella und das war genau das, wonach es aussah. Die Gründe dafür waren wohl ziemlich egal. Aber warum sagte mir irgendein inneres Stimmchen, dass ich das Richtige tat, während mein Gewissen mich anbrüllte, was für ein Schwein ich sei?

Nicht gerade hoch erhobenen Hauptes schlich ich die Treppe hinunter. Ich schaffte es allerdings, mich geradezumachen, bevor ich die Höhle der Löwinnen betrat. So oder so hatte ich meine Entscheidung schon während des Frühstücks getroffen und jetzt musste ich mich den Konsequenzen stellen.
Trotz aller zusammengerafften Entschlossenheit wäre ich allerdings beinahe mitten im Schritt stehengeblieben und hätte vielleicht auch hörbar geschluckt, als sich drei Augenpaare auf mich einschossen, kaum dass ich den Raum betreten hatte.

Estella war dabei noch die harmloseste Betrachterin. Sie hielt nur kurz inne und fuhr dann in sich hinein lächelnd damit fort, das Essen aufzutragen. Nur am Rande nahm ich wahr, dass sie unübersehbar gelöst wirkte. Entweder reichlich selbstzufrieden oder… tiefenbefriedigt, was mir ehrlich gesagt nicht so wahrscheinlich vorkam.
An zweiter Stelle nahm ich Helens Blick wahr, denn dem dritten Augenpaar wich ich sicherlich nicht völlig unabsichtlich noch aus. Ob es allerdings besser war, die Hausherrin anzusehen und sich zu fragen, ob sie mich gerade als Kakerlake oder potenziellen Vibrator betrachtete, war auch nicht mal eben so zu beantworten.

Ihre Augen waren beinahe halbgeschlossen und ihr Blick war prüfend wie immer - oder fast immer. Ihre Miene war nicht zu deuten, was mich nicht weiter wunderte. Aber immerhin hatte ich nicht sofort das Gefühl, von einem Scharfschützen ins Visier genommen worden zu sein und das kannte ich auch schon anders. Das… war doch schon mal was, oder?
Leider setzte das aber auch die zweite Möglichkeit auf den oberen Listenplatz, wo ich gerade auf ihrer persönlichen Skala eingeordnet wurde. Und sie unterstrich das - vermutlich nicht unabsichtlich - indem sie kurz zu meiner Körpermitte blickte.
Mehr nicht. Kein Lippenbefeuchten, kein Lächeln und keine anderen, mädchenhaften Gesten, zu denen sie zweifelsfrei fähig war. Nur dieser fast schon klinische Prüfblick, der mir irgendwie das Gefühl vermittelte, sie könne gleich zum Handy greifen und ihren Arzt anrufen, um zu erfragen, wie sich ein Schwanz am besten von einem eher nutzlosen Körper abtrennen ließe. Falls sie das nicht auf der Schule für schwerreiche Psychomütter so oder so gelernt hatte…

Fast war ich froh, mich der Dritten im Bunde zuwenden zu können. Fast…
Natürlich gab es im Grunde nichts, was ich lieber tat, als Jo anzusehen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter hatte ihre Schönheit keinen fauligen Beigeschmack. Ihre Augen hatten allerdings ihre ganz eigene Schneide, wie sie mir blitzschnell wieder in Erinnerung rief.
Ich konnte nicht verhindern, dass ich sie schuldbewusst anblickte, obwohl sie sich im ersten Moment nicht anmerken ließ, was sie über das dachte, was sie vor Kurzem mit anhören musste. Tatsächlich war ihre Miene völlig neutral und sie wirkte auch wirklich nicht angespannt. Es gab keine Anzeichen dafür, dass sie sauer auf mich war.

Bis zu dem Zeitpunkt, als unsere Blicke sich trafen, jedenfalls. Als sie den Ausdruck meiner Augen erfasst hatte, verengten sich ihre eigenen - warnend? - und etwas an ihrer Haltung veränderte sich. Eigentlich unmerklich, aber es kühlte die Raumtemperatur um zehn oder fünfzehn Grad herunter.
Bevor sie sich abwandte, war da dieser Ausdruck, der durch ihren Blick huschte. Er ließ mich ihre rasiermesserscharfen Krallen hören, wie sie Rillen in eine Glasscheibe schnitzten.
Nicht - gut!

„Schön, dass du es einrichten konntest“, begrüßte mich Helen.
„Sorry wegen der Warterei“, murmelte ich und musste mich nicht bemühen, Verlegenheit vorzutäuschen, weil die echt war. „Irgendwie scheine ich müder gewesen zu sein, als ich dachte. Ich habe geschlafen wie ein Stein.“
„Und die anderen Gründe für die Verzögerung sind uns ja zu Ohren gekommen“, gab sie völlig ungeniert zurück.
Jo schnaubte abfällig.

„Missbilligung, Liebes?“, fragte Helen sofort, und als sich ihr Blick auf ihre Tochter richtete, waren die Suchscheinwerfer auf volle Kraft gestellt. „Oder gönnst du deinem Klassenkameraden seinen Spaß nicht?“
„Hör auf ins Blaue zu schießen, Mutter“, brummte Jo ganz gelassen, wenn auch mit einem leicht genervten Unterton. „Ich mag ihn, aber es nervt ziemlich, dass er dauernd mit seinem Schwanz denken muss.“
„So sind die Jungs eben“, erwiderte Helen fast schon mütterlich.
„Wenn du das so natürlich findest, kannst du ja oben schlafen und ich kriege dein Bett weit weg von dem Gejaule.“

Ich verfolgte den Austausch mit reichlich großen Augen. Es klang alles ganz harmlos, aber es gab da all diese Anzeichen dafür, dass sich zwei wütende Raubkatzen belauerten, die einfach nicht zum lockeren Ton passten.

„Hast du gehört, Matt?“, wandte sich Helen an mich. „Meine Tochter fürchtet um ihren Schlaf. Könntest du… dich etwas leiser gebärden?“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass man von mir keinen Mucks gehört hat“, gab ich zurück.

Ja, es kam perfekt aus mir raus und es half mir sogar dabei, einen Teil meiner Befangenheit abzuschütteln. Diese Rolle des unanständigen Gossenpunks war mir in der Zeit auf der Schule so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie mir irgendwie Halt gab.
Erstaunlicherweise schien das eine Schwachstelle der ansonsten so unerschütterlichen Gottesanbeterin zu sein. Das war nun schon das zweite Mal, dass ich sie mit dieser Attitüde für einen Augenblick sprachlos machte. Diesmal lächelte sie sogar beinahe und musste sich ein verblüfftes Kopfschütteln verkneifen.
Ich schien mit dieser Rolle irgendwie ihren Erwartungen zu widersprechen, ohne dabei unglaubwürdig zu wirken. Und was sie aus dem Konzept brachte, mochte sich durchaus als überlebensnotwendig erweisen, also merkte ich mir das diesmal ganz genau.

„Gehört, Stella?“, fragte Jo. „Halt dich mal mehr zurück, sonst besorge ich ihm einen Knebel für dich.“
„I-ich kann nichts dafür, Señorita. Er ist… gut.“
„Das höre ich nicht zum ersten Mal“, sagte Helen ganz beiläufig. „Es scheint ja wirklich was dran zu sein…“
Wieder schnaubte Jo nur abfällig.
„Hast du andere Erfahrungen gemacht, Liebes?“
„Reichlich“, bestätigte Jo.

Allem Anschein nach fiel nicht nur mir alles aus dem Gesicht bei diesem einen Wörtchen. Während mein Herz stehenblieb und ich mich schon der Frage zuwenden wollte, was auf meinem Grabstein stehen würde, starrte Helen ihre Tochter halb verwirrt, halb fassungslos an.
Glücklicherweise schenkte sie mir für den Augenblick keinerlei Aufmerksamkeit, denn ich brauchte eine Weile, bevor ich meine eigene Miene wieder unter Kontrolle hatte.

„Du dachtest nicht wirklich, ich würde in Frankreich leben und zur Schule gehen und keine Pariser ausprobieren“, kanzelte Jo ihre Mutter ziemlich kalt ab.
„Pariser?“
„Männer aus Paris? Du weißt schon, die Hauptstadt von Frankreich. Die Stadt der Liebe… Und der ziemlich begabten Liebhaber…“
„Jaqueline Ophelia!“
„Ich wage zu bezweifeln, dass irgendwelche Amerikaner da mithalten können“, philosophierte Jo ungerührt. „Ich wette, deine süße, kleine Melody ist inzwischen voll und ganz auf den Geschmack gekommen.“
„Melody ist ein anständiges Mädchen!“, empörte sich Helen.
„Uh-huh. Und mein Arsch ist noch Jungfrau…“

Ich nutzte den Schlagabtausch zwischen Mutter und Tochter, bei dem Helen nach meinem Empfinden sehr seltsame Verhaltensmuster an den Tag legte, um mich unbemerkt zu setzen. Den Schluck, den ich gerade aus meinem Glas genommen hatte, als Jo ihre letzte Breitseite abfeuerte, verteilte ich nur unter größten Mühen nicht über den gesamten Tisch.
Das hatte sie jetzt nicht wirklich gesagt, oder? Und… meinte sie es auch wirklich so? Nicht, dass es mich etwas angegangen wäre, aber…

Ich wäre der Frage vielleicht im Stillen noch weiter nachgegangen, aber Helen wandte sich mir zu und sah mich an, als würde sie Unterstützung von mir erwarten. Von… mir. In einem Streit mit ihrer Tochter über den Anstand ihrer anderen Tochter - wozu ich unglücklicherweise eine Menge zu sagen gehabt hätte…

„Was soll er jetzt dazu sagen?“, rettete mich Jo aus der brenzligen Situation und ließ mich auch gleich den Preis für ihre Unterstützung zahlen. „Nach allem was ich gehört habe, besteht sein unwiderstehlicher Charme größtenteils darin, dass er sein Ding ziemlich rücksichtslos in jedes verfügbare Loch steckt. Und so tief wird sie wohl kaum gefallen sein…“

Autsch! Das tat weh und ich zeigte ihr auch mit einem überraschten Seitenblick, dass ich es gar nicht witzig fand, sie nun auch auf diesen Zug aufspringen zu sehen. Es brachte mich vielleicht aus der Schusslinie, aber wenn ich von einer Person nichts darüber hören wollte, wie viel tiefer als irgendwer ich stand, dann war das Jo.
Der kühle Blick, mit dem sie mir begegnete, sagte mir allerdings so einiges darüber, wofür das in Wahrheit die Retourkutsche war. Ganz offensichtlich nahm sie die Sache mit mir und Estella nicht einmal ansatzweise so locker, wie es zunächst den Anschein gemacht hatte…

„Ein Jammer“, setzte sie auch gleich nach. „Er ist intelligent und witzig, aber sobald er eine Chance auf einen Fick wittert, setzt wohl etwas bei ihm aus.“
„Er ist übrigens anwesend“, brummte ich missmutig.
„Bist du ganz sicher, dass du ihn leiden kannst?“, erkundigte sich Helen leicht verblüfft.
„Er versteht was von Autos“, antwortete sie, als würde das alles erklären. „Oh, Jake hat sich übrigens nach dir erkundigt.“

„Jake?“, hakte Helen neugierig nach.
„Ein Lehrer“, meinte Jo nur und wandte sich dann mir zu. „Ich habe ihm gesagt, dass er sich keine Sorgen machen muss. Aber falls du jetzt bei Stella einziehen und die Schule schmeißen willst, muss ich das wohl zurücknehmen.“
„Ich will sie nicht heiraten, sondern ficken“, grollte ich.

Mein Unmut war nicht gespielt, auch wenn er zu meiner Rolle passte. Ebenso wie die Art, auf die ich dem Hausmädchen unter ihr Kleidchen griff, als sie sich neben mich stellte und meinen Teller füllte. Dieses Spiel konnten auch zwei spielen, egal wie kindisch das war.
Dass die Latina mir ganz und gar breitwillig ihre Schenkel ein wenig öffnete, hätte mich wohl nicht überraschen sollen. Und sie feucht und mehr als nur bereit vorzufinden, ebenso wenig. Was auch immer ihre Rolle in diesem ganzen Drama war, sie war sich offenbar nicht zu schade, möglichst viel Nutzen daraus zu ziehen.

Während des Essens, bei dem Estella erstaunlicherweise mit am Tisch saß - irgendwie hatte ich das nicht erwartet - fing ich mir immer wieder Spitzen von Jo ein, die auf meine hyperaktive Libido abzielten. Sie schaffte es, selbst den oberflächlichen Smalltalk über Dinge wie den Schulstoff zu Steilvorlagen umzuwandeln.
Helen schien sich darüber durchaus zu amüsieren und tat nichts, um ihre Tochter zu bremsen und ich fing an mich zu fragen, ob ich überhaupt noch auf eine Chance hoffen durfte, ein klärendes Gespräch mit ihr zu führen. Irgendwie schienen mir meine Chancen darauf mehr und mehr zu schwinden.
Schließlich hätte sie auch ganz normal mit mir sprechen können. Helen schien keineswegs mehr misstrauisch wegen irgendwelcher Dinge, die uns beide betrafen.

Dem äußeren Anschein nach war ich bei dieser Mahlzeit der Einzige, der angespannt blieb. Helen war beherrscht wie immer, Estella war still und schien mit der Situation recht zufrieden und Jo… Jo war augenscheinlich gelassen und bedachte einen Schulfreund mit Sticheleien.
Ich wollte es gerne als Show sehen, die für ihre Mutter gespielt wurde. Ich wollte gerne glauben, dass sie im Grunde anders dachte, aber es fühlte sich sehr, sehr authentisch an. Selbst als Anwesender mit etwas zusätzlichem Hintergrundwissen konnte ich kaum vermeiden, dass sich mir ein bestimmter Eindruck aufdrängte.
Es schien, als würde hier ein mehr oder minder guter Freund der Tochter des Hauses am Abendessen teilnehmen, der zufälligerweise etwas mit dem Hausmädchen angefangen hatte. Mehr schwang da einfach zu keiner Zeit mit.

Auch nicht, als Helen einen Anruf beantwortete und kurz den Raum verließ, um zu telefonieren. Egal wie sehr ich versuchte, mit ihr Blickkontakt herzustellen und wenigstens eine kurze Verständigung zu erreichen, sie ging nicht darauf ein. Und Estella verhielt sich auch die ganze Zeit über ihrer Rolle in diesem Spiel entsprechend. Inklusive reichlich häufiger, kurzer Ausflüge ihrer Hand in meinen Schoß.
Hätte ich es nicht besser gewusst… Aber… Wusste ich es denn besser? Trotz der Erlebnisse mit Jo war ich mir da ganz einfach nicht mehr sicher. Sie spielte ihre Rolle so perfekt überzeugend, dass ich langsam anfing zu verzweifeln.
Ich musste ein klärendes Gespräch mit ihr führen. Fernab von lauschenden Ohren. Als sie nach dem Essen zuerst aufstand und ich sie nach Verlassen des Raumes kurz durch die großen Fenster im Garten zu sehen glaubte, musste ich die Gelegenheit einfach ergreifen. Mit der Ausrede, rauchen gehen zu wollen, entfloh ich der Gesellschaft der anderen beiden Gottesanbeterinnen.

Suchend durchstreifte ich den Garten, bis ich in der Ferne einen Lichtpunkt aufglühen sah. Kurz und orange-rot. Wie eine Zigarettenspitze.
Meine Hoffnung, dass es Jo wäre, erfüllte sich. Meine andere Hoffnung, dass sie mir weit hinten im Garten fern des Hauses anders gegenübertreten würde, nicht… Ihr Gesichtsausdruck war unverändert desinteressiert und ihr Blick weiterhin reserviert, wenn nicht sogar kühl.

„Wir sollten reden…“, sagte ich unsicher, als sie mich nur anstarrte und keinen Ton sagte.
„Willst du mir etwas beichten?“, fragte sie fast schon höhnisch.
„Muss ich das?“, fragte ich, einem leichten Zorn nachgebend.
Aber ich hatte mich schnell wieder im Griff. Noch bevor sie ihre leicht gehobene Augenbraue in Worte übergehen lassen konnte, fuhr ich schon fort.
„Ja, verdammt… Ich muss. Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll.“

„Du musst mir gar nichts beichten“, berichtigte sie mich kühl. „Beichten langweilen mich. Und ich weiß sowieso schon alles, was ich wissen muss.“
Das ließ mich nach Luft schnappen. So knallhart und abweisend erwartete ich zwar dauernd ihre Mutter, aber nicht Jo.
„Aber… Ich dachte…“, stammelte ich, zugegebenermaßen durchaus verletzt.
„Dann hast du dich geirrt“, unterbrach sie. „Und ich mich wohl auch…“

Sie stieß sich von der Mauer ab, an der sie lehnte, und setzte sich in Bewegung. Ihre Miene war völlig undeutbar. Nur ihre Augen funkelten - wie ich annahm vor Wut.
Sie kam nicht auf mich zu, sondern steuerte in Richtung des Hauses. Das war irgendwie eindeutig. Ich stand nur zufällig im Weg. Und sie schien von mir zu erwarten, dass ich ihr Platz machte.
Noch ein wenig irritiert und mit der Frage beschäftigt, was hier eigentlich schief lief, tat ich das allerdings nicht sofort. Also musste sie um mich herumgehen oder vor mir stehen bleiben. Sie entschied sich für Letzteres und funkelte mich von unten herauf provozierend an.

„Jo…“, versuchte ich noch einmal eine Erklärung anzubringen.
Auch wenn ich selbst nicht wusste, wie ich fortfahren wollte. Ich rechnete nämlich fest damit, unterbrochen zu werden. Und natürlich hatte ich recht…
„Du musst wissen, was du tust“, zischte sie leise. „Und was du willst…“

Seufzend machte ich einen Schritt zur Seite. Und fast war mir, als seufzte sie auch, während sie den Kopf wieder senkte und sich erneut in Bewegung setzte.
‚Und was du willst…‘, echote es in meinem Kopf. ‚Was du willst…‘
Sie ging an mir vorbei. So dicht, dass ihre Schulter meine Brust streifte. Und ich packte zu, als sie mich gerade passiert hatte. Ich griff ihren Arm und hielt ihn fest.

Stocksteif blieb sie stehen. Alles an ihrer Körpersprache schrie ihre Ablehnung und ihren Widerwillen heraus. Warum hatte ich sie aufgehalten? Sie wollte doch offensichtlich nichts weiter mit mir zu schaffen haben.
„Lass meinen Arm los“, zischte sie, ohne zurückzublicken.
„Nein.“
„Lass sofort meinen Arm los“, wiederholte sie so mörderisch kalt, dass es mir fast körperlich wehtat.
„Nein!“, knurrte ich zornig.

Um ehrlich zu sein, hatte ich keine bewusste Kontrolle über die Situation. Ich stand praktisch neben mir und wusste selbst nicht, was ich da tat. Aber mein anderes Ich hörte nicht auf die Aufforderungen von mir selbst, sie loszulassen.
Ich sah, wie sich ihre Schultern noch mehr anspannten. Sah, wie sie sich einen etwas festeren Stand suchte. Was ein extremes Alarmsignal war. Ein überdeutliches, nonverbales Zeichen dafür, dass sie sich kampfbereit machte. Und nebenbei ein Beweis dafür, dass sie über reichlich Erfahrung in irgendeiner Kampftechnik verfügte.

„Und warum hältst du mich fest?“, fragte sie mühsam beherrscht.
„Weil…“
Es machte ‚klick‘ und ich rutschte wieder in meinen eigenen Körper hinein. Plötzlich war da eine Ahnung von einem Sinn. Wie ein Licht am Ende des Tunnels.
„Weil ich es will.“

Ihr Kopf kam hoch und fuhr zu mir herum. Ihre Augen sprühten Funken, als sie mich forschend anstarrte. Sie war so… unglaublich schön in diesem Moment, dass ich einfach eine Sekunde lang nur daran denken konnte.
Meine gesamte bewusste Erfahrung sprach dagegen, dass ich gerade das Richtige tat. Vernunft und Logik schrien im Duett Zeter und Mordio, als ich an sie herantrat und sie gleichzeitig zu mir drehte. Oder eher zerrte…
Nur mein Instinkt war anderer Meinung. Aber ich hatte ehrlich noch nie erlebt, dass er sich so dermaßen uneinig mit meinem Bewusstsein war. Und das machte mich im Grunde ziemlich hilflos. Ich musste mich für eine Seite entscheiden und es fühlte sich beides an, als wäre es einfach falsch.

Zu meinem Glück oder Unglück - was es war würde ich in Kürze ganz genau und vermutlich sehr endgültig wissen - handelte mein Körper schon gesteuert von meinem Instinkt, bevor mein Hirn versuchen konnte, die Kontrolle zurückzuerlangen.
Und das führte dazu, dass ich ihren Nacken packte und sie grob zu mir zog, um sie zu küssen.
…!

Ich war nie in einer seltsameren Situation. Das kann ich bei meinem Leben beschwören.
Die Frau mir gegenüber vibrierte offensichtlich vor unterdrücktem Zorn und Aggression. Sie funkelte mich mit einem Ausdruck an, der gut auch Mordlust sein konnte. Und sie tat rein gar nichts, um mir entgegenzukommen. Jeder Körpersprachenexperte hätte den Versuch sie zu küssen, vermutlich gar nicht erst auf eine Liste gesetzt. Nicht einmal auf die mit den Dingen, die man mit ihr gerade keinesfalls ausprobieren sollte. Einfach, weil es so absurd und offensichtlich war, dass nicht einmal ein lebensmüder Hirnamputierter auf diese Idee kommen konnte.
Und trotzdem tat ich es… Und sofort war mir eine Sache klar bewusst: Sie tat auch nichts, um sich mir zu entziehen.

Hart und fordernd presste ich meine Lippen auf ihre und fühlte hier ganz besonders deutlich, unter welcher Spannung sie stand. Trotzdem drängte ich meine Zunge gegen ihre fest zusammengepressten Lippen.
Und plötzlich war sie in ihrem Mund und fand ihr Gegenstück. Plötzlich packten mich Jos Hände an Kragen und Nacken und rissen ebenso gewaltsam an mir, wie ich es bei ihr tat. Plötzlich küsste sie mich nicht einfach zurück, sondern ging zum Gegenangriff über.

Noch einmal schwöre ich. Diesmal, dass die Umgebungstemperatur in einer Millisekunde von lauschiger Sommernacht auf Backofen sprang. Es war plötzlich so heiß, dass die Blumen und das Gras um uns herum ohne Zweifel eingehen würden.
Das war kein romantischer Kuss. Das war ein Kampf. Und Jo trug ihn nicht mur mit Zunge und Lippen, sondern auch mit Zähnen und Klauen aus.
Sie schlug ihre Krallen in die Haut meines Nackens, bis sie spürbar die Haut durchdrangen. Sie biss mir so fest in die Unterlippe, dass ich Blut schmeckte. Aber ich packte ihren Nacken daraufhin so fest, dass ich fast Angst hatte, ihr das Genick zu brechen. Und sie stöhnte zur Antwort in meinen Mund.

Ich packte sie härter an, als ich jemals eine Frau angefasst hatte. Diejenigen unter den Barbies aus meinem Sexklub eingeschlossen, die es ganz besonders hart und wild gemocht hatten. Fuck… Selbst die Frauen eingeschlossen, denen ich bisher mit Gewalt begegnen musste, um meine eigene Haut zu retten.
Ich griff so hart zu, dass es Blutergüsse hinterlassen musste. Aber genau das führte dazu, dass Jo sich in diesen Kuss wirklich ergab. Dass sie wirklich anfing, sich tatsächlich von mir küssen zu lassen und Leidenschaft an die Stelle der Aggression trat.
Aber als ich daraufhin meinen Griff wieder lockerte, riss sie sich sofort los und schnappte keuchend nach Luft.

„Küss mich nie wieder, wenn du nach der Fotze einer anderen schmeckst!“, fauchte sie mich an.
Noch dicht bei mir und nicht ganz frei von meinem Griff war ihr Gesicht keine Handbreit von meinem entfernt. Aber ich sah das Glitzern in ihrem Blick trotzdem ganz genau. Ich schluckte hart.
Natürlich hatte ich vergessen, mir nach dem Intermezzo mit Estella noch rasch die Zähne zu putzen. Was dumm gewesen war. Aber Jo daraufhin zu küssen verdiente einen echten Ehrenplatz auf dem Treppchen der völlig bescheuerten Taten.
Allerdings tat ich es gleich noch einmal und bewies damit, dass ich wirklich der dämlichste Mensch auf dem Planeten war.

Nur… Das Glück war offenbar mit den Dummen. Oder aber es war wirklich notwendig, allein auf den Instinkt zu hören, wenn ich es mit Jo zu tun hatte. Der hatte mir nämlich in etwa gesagt, dass ich mir von ihr nichts vorschreiben lassen sollte, sondern die Initiative behalten musste. Oder so…
Mein Hirn hingegen war zuerst schockiert über meine eigenen Handlungen und dann völlig irritiert, als Jo sich noch einmal - und zwar ohne den vorherigen Ringkampf - auf ein leidenschaftliches Zungenspiel einließ. Und diesmal sogar die Augen schloss und sich fest an mich drängte.
Für endlose Minuten konnte ich das nun wirklich und in vollen Zügen genießen. Und ganz ehrlich: Ich war echt am Ziel meiner Träume angekommen.

Jo zu küssen war genau so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Sie hielt niemals still. War immer aktiv. Wenn ich ihre Zunge nicht jagte, drehte sie den Spieß um. Und wenn sie Luft brauchte, knabberte sie an meinen Lippen oder leckte darüber.
Sie nahm überhaupt keine Rücksicht auf solche Dinge wie Speichelfluss. Das konnte sie nicht aufhalten und schien sie auch nicht abzuschrecken. Im Gegensatz zu manchem Mädchen aus der Vergangenheit, für das ein feuchter Kuss schon ein Trennungsgrund gewesen war.
Die passendsten Attribute für das, was ich mit Jo erlebte, waren ‚rückhaltlos‘ und ‚mit vollem Einsatz‘. Nicht weniger gab sie und nicht weniger verlangte sie. Sonst spürte ich ihre Krallen. Und zwar nicht metaphorisch.

Aber ich war willige Beute… Und begeisterter Jäger.
In diesen wenigen Minuten im Garten von Jos Elternhaus durchbrach mein Kopf zum ersten Mal seit über zwei Jahren die Wasseroberfläche meines Defizits an Nähe. Und ich bekam auch gleich einen Panoramablick darauf, dass alle meine vorherigen Erfahrungen damit gerade einmal durchschnittlich waren. Während ich nun vor einem Mount Everest in dieser Hinsicht stand.
In gewisser Weise war genau das der Zeitpunkt, wo sich Jos kleine Hand fest um mein Herz legte und ich wusste, dass es ihr gehörte. Nachdem ich das erlebt hatte, war etwas anderes… einfach nicht mehr genug.

Natürlich endete es. Und natürlich war das Ende überraschend. Sie stieß mich nämlich einfach irgendwann von sich und ich war so aus dem Gleichgewicht, dass ich rückwärts stolperte und auf dem Hintern landete.
Völlig fassungslos zu ihr aufblickend sah ich ihr Gesicht im Mondschein richtig glühen. Ihre Augen machten den Sternen Konkurrenz. Sie strahlten wirklich, als wären sie von innen beleuchtet. Mit Hochleistungsstrahlern…
„Wasch dir das Gesicht oder ich schwöre dir, ich schneide die Stellen, die nach der kleinen Mistschlampe schmecken, mit einem Löffel weg“, warf sie mir schwer atmend an den Kopf.
Und dann drehte sie sich um und war schneller verschwunden, als ich meinen Sprachapparat wieder in Gang setzen konnte.
What the…?

Langsam aber sicher verstand ich ehrlich nichts mehr. Alle Bewohner dieses Hauses schienen einfach nur einen gewaltigen Dachschaden zu haben. Sie spielten alle ihr eigenes Spiel mit den anderen und jedem zufällig Anwesenden.
Ich fühlte mich ehrlich alles andere als wohl damit, mich in diesem Kriegsgebiet aufzuhalten. Überall schienen Minen zu liegen. Und ich hatte riesige Clowns-Schuhe an. Sodass ich praktisch sekündlich damit rechnen musste, dass die Scheiße auf den Ventilator traf.
Flucht aus diesem Irrenhaus war die Option, die der Logik nach als einzige in Betracht kam. Bevor eines dieser durchgeknallten Weiber mich vergiftete, mit den Zähnen zerriss, zu Tode fickte oder anderweitig umbrachte.

Trotzdem wusste ich ganz genau, dass ich bleiben würde, denn Jo war hier. Und wenn die mich umbringen wollte, dann würde ich ihr sogar noch dabei helfen. Es war absurd, aber ich erkannte ziemlich klar, dass ich für sie auf meinen Abschluss oder meine Freiheit pfeifen würde.
Noch besser wäre allerdings natürlich, wenn ich es irgendwie schaffen würde, durch dieses Minenfeld zu gelangen, ohne Gliedmaßen zu verlieren. Und dazu wäre es hilfreich, wenigstens im Ansatz zu verstehen, was zum Henker hier passierte.
Nur… Wie sollte ich herausfinden, wer hier welches Spiel mit wem spielte? Wussten die da drin das überhaupt selbst?

Ich saß ungefähr eine Stunde lang auf dem Rasen und rauchte ein paar Zigaretten, während ich versuchte, ein Muster in all den Dingen zu erkennen, die in den letzten knapp vierundzwanzig Stunden passiert waren. Ohne viel Erfolg, wie ich hinzufügen muss.
Als ich irgendwann Estella vom Haus aus nach mir rufen hörte, gab ich auf und kehrte in die Höhle der Löwinnen zurück. Oder in das Nest der Gottesanbeterinnen. Oder was auch immer…
Aber immerhin war ich genug bei der Sache, um meine Kleidung zurechtzurücken und mir das meiste Blut von der Unterlippe zu lecken. Auch wenn ich trotzdem einen etwas derangierten Eindruck machen musste.

Die Latina stand auf der Terrasse, als ich näherkam. Und durch die Panoramafenster sah ich Helen mit einem Buch auf dem Schoß und untergeschlagenen Beinen auf der Couch sitzen. Nur Jo war nicht zu entdecken.
Ich tat das Einzige, was mir spontan einfiel, um meinen Zustand irgendwie zu rechtfertigen. Und dazu schloss ich Estella in die Arme, als ich bei ihr ankam, und legte mir ihre Arme in den Nacken. Ihren seltsamen Blick auf meinen Mund ignorierte ich.

Ich wusste natürlich, dass die Latina sich sehr klar denken konnte, woher ich meine Blessuren hatte. Aber sie wusste ja auch andere Dinge. Und wie ich vermutet hatte, bereitete es ihr keine Probleme, meinen leidenschaftlichen Kuss voll und ganz zu erwidern. Vermutlich war ihr völlig egal, wen ich zuvor geküsst hatte, solange sie etwas abbekam…
Ebenso wenig Einwände hatte sie dann dagegen, dass ich sie an mich drückte und hochhob, während sie sich an mich klammerte. Und ihre einzige Reaktion, als ich sie hart gegen die riesigen Fenster schob, war ein kehliges Stöhnen.

Ich sah nicht hin, weil das unnötig war. Die ganze Glasfront hatte vibriert. Helen würde mitbekommen, was vor sich ging.
Nun zählte nur noch, dass sie auch die passende Show geboten bekam. Und dazu imitierte ich Jo und biss Estella hart in die Lippe, was die laut in meinen Mund quietschen ließ. Und sie erst so richtig in Fahrt brachte...
Sie vom Arsch bis zu den Titten ganz ungeniert zu begrabschen fand dann ihren Beifall, und wenn ich meinen Schwanz ausgepackt und sie an Ort und Stelle gevögelt hätte, wäre sie willige Beute gewesen. Da war ich mir sicher.
Stattdessen setzte ich sie aber irgendwann ab und ging etwas auf Abstand.

Die Latina schnappte nach Luft und sah mich an, als wäre ich so eine Art Sexgott. Ihre Augen glänzten ebenso wie ihre Lippen und sie schien unfähig sich zu bewegen, obwohl ihr Kleid ihren Po nicht mehr bedeckte und ihre Haare völlig durcheinander waren.
Ich grinste sie wölfisch an und ging nach drinnen, wo mich Helen intensiv musterte. Und zwar ebenfalls mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen, leicht feucht schimmernden Lippen und eindeutig spitzen Nippeln unter ihrer Bluse.
Standen die denn wirklich alle auf die harte Nummer? Gab es hier niemanden, der auch mal ganz zärtlichen, liebevollen Sex haben wollte…? Was für eine kranke Welt…

„Matt…“, setzte sie an.
„Entschuldigen Sie, Helen“, unterbrach ich und gab mich dabei ziemlich selbstsicher. „Vielleicht sind die Pferde ein wenig mit mir durchgegangen. Kommt nicht…“
„Oh bitte, Matt“, unterbrach nun sie. „Estella hat so gut wie Feierabend für heute und die Scheiben sind aus Sicherheitsglas. Solange ihr so etwas nicht in der Nähe der wertvolleren Dekorationen macht, werde ich euch nicht in euren Privatvergnüglichkeiten beschneiden.“

Ich antwortete nicht. Sah sie nur an und fühlte erneut den Eindruck bestätigt, dass sie tatsächlich mindestens zwei Seiten hatte. Nämlich die eiskalte Society-Schnalle und die sexhungrige Schlampe. Es war plötzlich so klar. So offensichtlich. Vielleicht, weil sie gerade eindeutig ziemlich spitz war und das ihre andere Seiten zurückdrängte und die Maske verrutschen ließ.
Wenn diese Tussi mich nicht als Bedrohung betrachtete, dann war ich entweder ein lästiges Insekt oder eine Art nützliches Haustier. Sogar hier zog offenbar dieser ‚Magnetismus der Gosse‘, der den Mädchen auf der Schule die Höschen nass machte. Zumindest wenn die Umstände es zuließen.

Und aus Helens Sicht ließen sie das ja nun zu, denn Jo war sozusagen aus der Schusslinie. Ich war der Stecher des Hausmädchens und somit praktisch erweitertes Eigentum.
Wie lange würde es dauern, bis sie das erste Mal versuchen würde, mich zu einem Fick zu animieren? Und wie lange von da an, bis sie das forderte?
Scheiße, machten mich diese Menschen krank!

„Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich gerne auf das Zimmer gehen“, sagte ich und verbannte meine Gedanken in den Hintergrund. „Schicken Sie Estella einfach zu mir hoch, wenn Sie ins Bett gehen. Ich werde warten und mich noch etwas ausruhen.“
„Kräfte sammeln?“, fragte sie fast schon kokett.
Ich nickte und rang mir ein Lächeln ab.
„Du kannst Estella gerne schon mitnehmen…“, wollte sie daraufhin vorschlagen.
„Wenn sie noch eine Stunde oder zwei darauf warten muss, ist sie genau in dem Zustand, in dem ich sie haben will“, antwortete ich kopfschüttelnd.

Dann wandte ich mich ab. Aber ich sah, wie es in Helens Augen aufblitzte und sie sich auf die Lippe biss. Womit ich nun erfolgreich zwei Leute in einen Zustand versetzt hatte, in dem sie nicht mehr klar denken konnten. Ob mir das nun passte oder nicht.
Estella allerdings nicht zu mir zu holen, hätte so dermaßen unnatürlich gewirkt, dass ich mir das nicht leisten konnte. Jedenfalls nicht, bis ich wusste, ob ich das Risiko eingehen wollte, die Hausherrin mächtig zu verärgern, indem ich sowas wie die Wahrheit auspackte.
Und das war etwas, worüber ich wirklich gerne mit Jo reden wollte. Auch wenn ich mich fragte, ob ich dazu jemals die Gelegenheit erhalten würde.

Ich ging nach oben und nutzte meine zurückgewonnene, leidliche Beweglichkeit dazu, zum ersten Mal alleine zu duschen. Und mir die Zähne zu putzen. Und mich zu rasieren. Und all das…
Tatsächlich rasierte ich mich überall, wo ich das normalerweise eben so tat. Auch wenn ich nicht unbedingt scharf darauf war, mit Estella zu schlafen, stand mir das nämlich todsicher bevor. Und so langsam war es nötig, die Stoppeln zu entfernen.
Danach legte ich mich dann aufs Bett, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte an die Decke. Bis irgendwann etwas passieren würde…

Die Tür öffnete sich nach einem leisen Klopfen etwa anderthalb Stunden später. Und herein kam tatsächlich die Latina. Sie schloss die Tür mit einem Hüftschwung und stemmte die Hände in die Hüften.

„Lass sie noch ein oder zwei Stunden darauf warten, ja?“, zischte sie mit funkelnden Augen. „Erwartest du, dass ich dich jetzt auf Knien anflehe, es mir zu besorgen?“
„Und wenn?“, gab ich zugegebenermaßen wirklich etwas amüsiert zurück.

Statt einer Antwort mit Worten griff sie sich in den Rücken und ließ dann ihr Kleid zu Boden gleiten. Danach sank sie einfach auf die Knie und blickte mich sehnsüchtig an.

„Verschließ die Tür“, sagte ich. „Heute Nacht möchte ich nicht, dass Helen plötzlich im Raum steht. Und wenn sie dich gleich hört, könnte sie den Drang dazu verspüren.“
„W-wieso?“, stammelte Estella und schien sich absolut nicht sicher, ob ich das ernst meinte.
„Weil du schreien wirst, Chica“, antwortete ich. „Und niemand wird auseinanderhalten können, ob es Schmerz- oder Lustschreie sind. Vielleicht nicht einmal du…“

Sie schluckte mit geweiteten Augen und öffnete dann den Mund, um leichter atmen zu können. Aber egal was sie genau dachte, sie wandte sich rasch zur Seite und drehte den Schließmechanismus. Als sie sich mir wieder zuwandte, sah ich sie zittern. Und erstaunlicherweise waren ihre Nippel hart.
Angesichts ihres Zustands war ich mir ziemlich sicher, dass sie keine Ahnung hatte, weswegen ich das wirklich zu ihr sagte. Vielleicht war das sogar völlig unnötig gewesen, aber ich traute Helen jederzeit zu, ihrem Dienstmädchen nachzuschleichen und zu lauschen. Aus Neugierde, wegen eines Rests Misstrauens oder auch einfach nur, weil sie keinerlei Konzept für die Privatsphäre niederer Wesen hatte.
Und außerdem wollte ich sie wirklich keinesfalls plötzlich im Zimmer stehen haben. Weder aus Sorge um ihr Hausmädchen, noch weil ihr zu sehr gefiel, was sie hörte. Vor allem nicht deswegen!

Ich lockte Estella mit dem Finger, hob aber die Hand, als sie aufstehen wollte. Ohne zu zögern, blieb sie unten und krabbelte auf allen Vieren zu mir.
Ich stand auf und trat neben das Bett. Mit ausgestrecktem Zeigefinger bedeutete ich ihr, den Oberkörper darauf zu legen. Nachdem sie das getan hatte, stellte ich mich hinter sie und betrachtete ihren Anblick.

Sie trug noch immer die halterlosen Strümpfe und ihre schwarzen Schuhe mit den flachen Absätzen. Davon abgesehen war sie wieder nackt unter dem Kleid gewesen, wie ich ja wusste.
Von hinten konnte ich hervorragend ihre feucht glitzernde Pussy sehen. Und auch ihre kleine Rosette zwischen den prallen Pobacken. Und die nahm ich nun auch aufs Korn. Die Pobacken, nicht die Rosette.

Estella jaulte vor Überraschung laut, als ich ihr einen klatschenden Schlag mit der flachen Hand verpasste. Sofort zuckten ihre Hände nach hinten, um ihre Haut zu schützen. Mehr im Reflex als aus konkreter Angst, nahm ich an.
„Halt dich auf der anderen Bettseite fest“, forderte ich.
Etwas zögerlich tat sie es. Und dann versuchte sie, mich mit auf der Seite liegendem Kopf irgendwie im Auge zu behalten, damit der nächste Schlag sie nicht überraschte. Ein paar kurze, ruckartige Bewegungen, die ich nur machte, um sie zu reizen, ließen sie gehörig zusammenzucken.

Als ich dann wirklich wieder zuschlug, traf ich sie wie geplant noch einmal völlig unerwartet. Dementsprechend schrie sie auf. Und zwar zweimal. Für jeden der beiden Schläge. Dann rang sie nach Luft und schluchzte ein paar Mal unwillkürlich.
Alles in allem gab es nur einen Indikator, dass die Latina durchaus Spaß an dieser Art von Spiel hatte. Ihre immer stärker anschwellende und bereits richtiggehend tropfende Pussy verriet mir alles, was ich wissen musste.
An dieses sensible Messgerät hielt ich mich, während ich das Spiel fortsetzte. Daran und an die Art, wie sie mir nach einer Weile ihren Po wieder mehr entgegen reckte, wenn ich eine Pause einlegte. Sobald sie es schaffte, aus Angst vor der Plötzlichkeit des Schmerzes nicht bei jeder Luftbewegung zusammenzuzucken. Was nach einem oder mehreren Schlägen meist etwas dauerte.

Ich ließ mir Zeit. Und ich ließ zugegebenermaßen auch ein ganz klein wenig Dampf ab. Natürlich schlug ich nicht mit voller Kraft zu. Aber ich tat ihr weh. Das war völlig unzweifelhaft. Ebenso, wie dass sie das genoss.
Ihre eigentlich natürlich braune Haut war auf ihrer Kehrseite bald einfach nur noch rot. Und auf ihrem Körper bildeten sich langsam Schweißperlen. Aber was mir wirklich sagte, dass sie genug hatte, war die Art, wie ihre Schreie immer mehr zu heiserem Stöhnen wurden.
Ohne ein absoluter Experte zu sein, wusste ich, dass irgendwann bei Menschen, die auf Schläge abfuhren, ein bestimmter Punkt kam. Körpereigene Drogen betäubten das Schmerzempfinden und konnten es ins Gegenteil verkehren. Und wenn man nicht aufpasste, übernahmen sich die ‚Opfer‘ völlig, weil sie nicht mehr einschätzen konnten, wie viel sie wirklich verkraften würden.

Estella zitterte längst, als hätte sie Schüttelfrost. Und sie weinte in meine Bettdecke. Es wurde Zeit für eine Umkehr der Behandlung. Für sanfte Streicheleinheiten auf der überempfindlichen Haut und überall sonst. Hinter ihr kniend widmete ich mich dieser Aufgabe ebenso ausdauernd wie dem Spanking davor.
Lange streichelte ich ihren Rücken, ihre Seiten, ihre Beine und vorsichtig auch ihren Po mit den Händen. Bis sie nicht mehr so sehr zitterte und ihr Schluchzen und gepresstes Wimmern langsam immer mehr zu wohligem Seufzen wurde. Bis sie sich wieder entspannte und ich den Eindruck hatte, ihr Lustempfinden sei wieder halbwegs normalisiert.
Erst dann kam die nächste Überraschung für die Latina.

Estella konnte es nicht wissen, aber ich hatte nicht vor, sie zu ficken. Ich hatte nicht einmal vor, sie zu lecken. Sie würde nur meine Hände zu spüren bekommen.
Der Grund dafür war nicht unbedingt, dass mein Schwanz eine Pause brauchte. Tatsächlich stand er längst wie eine Eins. Aber mein Instinkt sagte mir, dass ich darauf verzichten sollte. Und ich war geneigt, ihm zu vertrauen. Ein leiser Hoffnungsschimmer animierte mich dazu. Und schlimmstenfalls hatte ich eben nach langer Zeit mal wieder blaue Eier. Das war dann Pech.

Ohne Estella anzusprechen, ließ ich meine Finger zwischen ihre Beine gleiten und berührte zum ersten Mal, seitdem sie den Raum betreten hatte, ihre Pussy. Sofort atmete sie zischend ein und reckte mir ihren Körper entgegen.
Ich ließ mich auch nicht lange bitten und führte zwei meiner Finger in die munter sprudelnde Quelle ein, die längst ihre Schenkel klatschnass gemacht hatte. Mein Lohn dafür war ein lautes, kehliges Stöhnen. Und das wiederholte sich jedes Mal, wenn ich so tief wie möglich in sie eindrang und meine Knöchel sich gegen ihre Schamlippen pressten.

„Mehr?“, wollte ich nicht ohne Hintergedanken wissen.
„Gott, ja!“, keuchte sie.
Drei Finger verschwanden ein paar Mal in ihr und ließen sie lauter werden.
„Mehr…?“
„Ngh-hn…“, presste sie zwischen zwei Atemzügen heraus.
Ich nahm das als Bestätigung und fügte auch den vierten Finger hinzu. Und wieder nahm ihre Lautstärke zu.

Anfangs musste ich die vier Finger noch eng aneinander und übereinanderlegen, um sie eindringen zu lassen. Aber die Latina war so außer sich vor Lust, dass sich ihre Pussy schnell anpasste. Bald konnten meine Finger eindeutig nebeneinanderliegen.
Das erlaubte mir heftigere Bewegungen. Für eine kleine Weile konzentrierte ich mich ganz darauf, sie auf diese Weise einfach zu ficken. Dass sie dabei kam, überraschte mich nicht. Ich hatte es kommen sehen. Die Frage war, ob sie das fertig machte, oder noch mehr anheizte…

„Mehr?“
Sie antwortete nicht sofort. Stöhnte und keuchte eine Weile, während sie noch von ihrem Höhepunkt zitterte. Aber dann schob sie mir unmerklich ihren Unterleib entgegen. Und ich erkannte ihr Einverständnis darin.
Ich wusste nicht, ob das für sie eine Premiere war. Ihre Muschi war dehnbar genug, aber das bedeutete nicht notwendigerweise etwas. Ich erfuhr allerdings schnell, dass sie von nun an zu den Bekehrten gehören würde.
Als meine Hand mit angelegtem Daumen ganz langsam in ihrem Kanal verschwand, riss sie den Kopf nach oben und hörte auf zu atmen. Ihr ganzer Körper war zum Zerreißen gespannt. Und in ihr arbeitete es mächtig. Bis ich den Widerstand überwunden hatte und nur noch mein Handgelenk sehen konnte, machte sie keinen Mucks.
Aber dann - als meine ganze Hand sich in ihrer Pussy befand und ich anfing die Finger ein wenig zu bewegen und mich etwas vor und zurück zu bewegen - schrie sie laut auf. Ein unverkennbarerer Lustschrei.

Estella kam gleich zu Beginn meines Fistings. Und sie machte keine großen Pausen zwischen diesem und ihren folgenden Orgasmen. Sie kam fünf Mal in rascher Folge, während ich mich eher vorsichtig in ihr bewegte. Dass es ihr gefiel, stand also ziemlich außer Frage.
Aber danach hatte sie genug. Hilflos versuchte sie, mir zu signalisieren, dass sie es nicht mehr ertragen konnte und ich hörte auf, zog mich langsam aus ihr zurück und streichelte dann noch eine Weile einfach ihren Rücken, um sie zur Ruhe kommen zu lassen.

„Madre mía…“, schnaufte sie nach einiger Zeit. „Das war…“
„Intensiv?“, schlug ich vor.
„Unglaublich!“, berichtigte sie. „Nur… Wie komme ich jetzt ins Bad. Ich… muss.“

Schmunzelnd half ich ihr auf und diesmal stützte ich sie, weil sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Ich beruhigte sie, dass sich dort unten nach einer Weile alles wieder normalisieren würde. Und dass sie das Pinkeln vielleicht etwas unangenehm finden würde. All das Lektionen, die ich von der Frau kannte, mit der ich dieses Spiel zum ersten Mal gespielt hatte.
Nachdem sie fertig war, half ich ihr unter die Dusche, denn von der Hüfte abwärts war sie völlig mit ihren eigenen Säften beschmiert. Aber ich trat nicht zu ihr. Stattdessen ging ich zur Tür, stellte den Schließmechanismus wieder um und legte mich dann ins Bett.

Als die Latina aus dem Bad kam, sah sie ziemlich unsicher aus. Das Licht hatte ich zwar gelöscht, aber der Mond war voll und schien durchs Fenster. Ich konnte sehen, wie sie zur Tür blickte und dann zum Bett und wieder zur Tür.
Irgendein Gedanke beschäftigte sie und dann traf sie eine Entscheidung. Leicht mit den Achseln zuckend seufzte sie und kroch zu mir unter die Decke.
Sie legte sich in meinen Arm und ich ließ sie gewähren. Was auch immer diesmal das Spiel war, es war nicht meines. Und wenn ich nicht den Verstand verlieren wollte, konzentrierte ich mich ausschließlich auf die Intrigen in dieser Irrenanstalt, die mich direkt betrafen.

Erschöpft wie sie war, schlief Estella schnell ein. Aber ich blieb wach. Was ich mit ihr getan hatte, hatte knappe zwei Stunden gedauert. Es war nach Mitternacht und ich hatte den Eindruck, wirklich alle im Haus würden nun im Bett liegen.
Falls sich also meine Hoffnung bewahrheiten sollte, konnte es nicht mehr lange dauern.

Falls…


*****

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Dienstag, 6. Januar 2015

Happy New Year und so

14 ist rum, 15 hat begonnen und ich kann nicht sagen, dass ich sehr unglücklich darüber wäre.
In aller Offenheit, das vergangene Jahr war eher so halbwegs okay in der zweiten Hälfte und doch reichlich beschissen in der ersten Hälfte. Ich bin nicht wirklich unglücklich, dass es vorbei ist.
Nun hatte ich selbst im vergangenen Jahr keine nennenswerten Probleme und sogar Erfolgserlebnisse zu verbuchen, aber so richtig energetisch war ich nicht. Weswegen das so war, müsste ich schon mal erwähnt haben. Falls nicht, betrachten wir es einfach als privat und als weitgehend vorüber.

Wie schon seit Jahren nicht mehr, habe ich auch zu diesem Silvester keine gravierenden Veränderungen geplant. Warum sollte ich auch? Aus meiner Warte betrachtet, bin ich grundsätzlich auf dem richtigen Weg, auch wenn es mir manchmal an Energie fehlt, alle beabsichtigten Schritte zu vollziehen.
Ich habe im vergangenen Jahr zwar nicht, wie beabsichtigt, viel an den Projekten weitergearbeitet, die ich dringend fortführen möchte, aber dafür habe ich für mich einen großen Schritt getan und schreibe jetzt regelmäßig auch auf Englisch. Ich habe sogar schon einiges in der Sprache veröffentlicht und ich würde sagen, meine Sprachbeherrschung wird mit jeder geschriebenen Seite besser. Irgendwann wandert sicherlich nicht mehr der Großteil des Gescribbels in die Meh-Ablage.
Ich habe außerdem - und darauf bin ich durchaus etwas stolz - meine erste, richtige Auftragsgeschichte geschrieben. Noch bleibt mir zu lernen, nicht weitaus mehr zu liefern, als ich bezahlt bekam, aber das sind Kleinigkeiten. Ich habe für mich eine Hürde genommen und jemandes persönliche Wunschvorstellungen erfüllt. Dem Lob nach war es das investierte Geld wohl wert.

Auf der anderen Seite habe ich in den letzten Monaten praktisch keine Zeit bei Facebook verbracht, aber viel bei Youtube. Nun ist das mit Youtube neben reiner Unterhaltung auch ein Weg, Englisch gesprochen zu hören und deswegen ist es ein wenig auch ‚Studium‘, aber ehrlich gesagt ist es auch angenehm, weil sich die Leute dort gewissermaßen beruflich Mühe geben, Unterhaltungswert zu schaffen.
Facebook will ich nicht abschaffen. Aber ich schränke es vielleicht ein. Es fehlt mir eigentlich nicht wirklich. Und alles, was ich mir an ‚Banalitäten‘ vom Hals halte, räumt mir mehr Schreibzeit ein. Davon hatte ich nämlich zu wenig, obwohl ich theoretisch genug hatte.

Dieses Paradox bringt mich zur nächsten Erkenntnis des vergangenen Jahres: Ich kann nicht im gleichen Zeitraum Ablenkung in einem Computerspiel suchen und mich sinnig aufs Schreiben konzentrieren. Geht einfach nicht.
Es scheint, besonders die Spiele mit einer gewissen Komplexität, die mich anziehen, belegen mein Hirn mit Beschlag. Ich habe dann zwar weiterhin Ideen, aber ich tauche nicht in meine Schreibwelt ein und werde kreativ. Ich muss also in Zukunft genau darauf achten, wie ich meine Freizeit verwende. Computerspiele werde ich weiterhin spielen, aber dann werde ich mir eben dafür auch einen Zeitraum exklusiv freischaffen. Und wenn ich schreiben will, lasse ich die Finger davon.
No Brainer? Für manche Leute vielleicht, aber für mich war das neu. Es gab früher mal Computerspiele, die mich eher IN die Schreibstimmung gebracht haben, als aus ihr raus. Und vielleicht war ich auch weniger vollgestopft im Kopf und es war leichter…

Überleitung zum nächsten Thema gleich mit Bravour gemeistert: Wo mein Kopf so steckt und eigentlich nicht hingehört, oder doch?
Auf dem Gebiet der ganz persönlichen Entwicklung habe ich mein Leben erfolgreich weiter verkompliziert. Und das verdanke ich nicht nur Autoren wie der einzigartigen Lydia Benecke und ihrer psychologischen Arbeit mit psychopathischen Menschen, sondern auch ganz anderen Werken. Das Jahr 2014 lässt sich für mich sicherlich ganz gut unter dem Topic ‚Psychologie des Bösen‘ zusammenfassen, wobei mich die Opferperspektive ebenso interessiert hat, wie die der Täter. Und ich habe mich besonders im historischen Umfeld umgetan und viel über das Dritte Reich gelesen.
Warum? Weil ich noch immer verallgemeinernden Aussagen und Mythen aufgesessen war und endlich informierte Einschätzungen für mich selbst vornehmen wollte. Weil ich generell denke, je mehr man über etwas erfährt, desto eher mag man die Wahrheit erahnen, die IMMER irgendwo zwischen allen Berichten ungesagt vor sich hinvegetiert. Und weil das Thema stirbt - und zwar buchstäblich, denn die Augenzeugen nippeln langsam alle ab. Umso wichtiger - jedenfalls aus meiner Sicht - noch so viel wie möglich zu erfahren. Und sei es nur, um den Kindern guter Freunde eines Tages erklären zu können, weswegen dies oder jenes aus dem Geschichtsunterricht ziemlich unvollständig oder sogar völlig falsch ist. Nicht, um sie immer an die ‚Deutsche Schuld‘ zu erinnern, sondern um ihnen bewusst zu machen, dass Deutsche, Russen, Chinesen und Amerikaner alle ihre ‚Monster‘ hervorgebracht haben und dass wir davor nie sicher sein werden, weil das Monster erst einmal auf lange Zeit noch ein Teil jedes Menschen sein wird.

Ja, ich löse mich immer weiter von Pauschalisierungen, auch wenn ich nicht drum herum kommen werde, sie weiter zu verwenden. Man braucht im Grunde eine Pauschalisierung, um einen Einzelfall davon abgrenzen zu können. Aber man sollte nicht auf Basis von Klischees urteilen. Und ich versuche, genau das zu vermeiden.
Unsere Welt scheint es mir bitter nötig zu haben, denn der neue Jude ist ja der Moslem und der schießt diesmal zurück. Oder auch präventiv. Oder auch mal ganz einfach, weil schießen bekanntlich glücklich macht. Aber das macht eben noch lange nicht jeden Moslem zu Terroristen, so wie nicht jeder Deutsche ein Massenmörder war - und wie nicht jeder Mensch mit pädophiler Veranlagung Kindern ein Leids antut, was das angeht.

Ich fülle meinen Kopf also mit Wissen, um besser informierte Beurteilungen für mich selbst vornehmen zu können. Und wenn er nicht platzt, wird er sicherlich noch mehr Speicherkapazität verfügbar machen können, weil das Hirn eben so funktioniert. Irgendwann schreib ich dann ein Buch darüber und nenne es ‚Mein Leben am Rand der Gesellschaft und was ich mit meinem gesammelten Wissen alles nicht verändern konnte, obwohl ich sah, wie falsch es läuft.‘ Yay!
Beschweren will ich mich allerdings nicht, denn ich glaube das alles hält mich geistig beweglich. Ich nähere mich angeblich irgendwie den 40 und man könnte erwarten, dass ich mich endlich mal irgendwo festlege, aber stattdessen werden meine Standpunkte immer agiler. Ich begreife, dass eine feste Überzeugung eine gewaltige Macht besitzt - Hitler war beispielsweise felsenfest von seiner Bestimmung zum messianischen Retter Deutschlands überzeugt - aber fester Glaube schränkt auch ein. Und Glaube ist nicht nur eine Frage der Religion - oder Religion ist nicht nur Götterglaube, sondern beispielsweise auch Wissenschaft.
So oder so, andere mögen fanatisch glauben und einige rennen damit sogar in eine richtige Richtung, aber wenn sich die Umstände ändern, werden sie weiterrennen, selbst wenn die Richtung plötzlich falsch ist. Ich werde das nicht tun. Man könnte sagen, ich entscheide mich bewusst, ein Skeptiker zu sein. Allerdings ein optimistischer Vertreter dieser Gattung - und wer das Paradoxon aufgepfriemelt kriegt, bekommt einen Lolli… :-D

2015 beinhaltet aber neben all den Rückblicken auch Ausblicke. Mein Zweifel daran, wie ich Soulmates fortführen soll, nimmt ab. Ich denke, es besteht Grund zur Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung, zumal ich nach einer Weile heftiger Englisch-Konzentration wieder mehr zweigleisig fahre.
Andere Geschichten will ich auf fort- oder auch zu Ende führen. Einige Geschichten sind… für mich nicht mehr zeitgemäß. Ich muss mich davon befreien und voranschreiten. Andere mögen einen Twist erleben. Was ich versprochen habe fortzusetzen, werde ich auch fortsetzen. Keine Sorge. Ich denke da mehr langfristig.

Wer immer neben meinen deutschen Sachen auch meine englischen verfolgt, mag sich außerdem fragen, ob ich durchdrehe. In aller Offenheit: Meine englischen Themen sind größtenteils verrückt und/oder abartig. Und ich mag das so.
Mich reizen Tabuthemen besonders und für mich sind eine körperliche Behinderung oder Borderline- oder Mobbingthemen ebenso Tabuthemen wie Tiersex. Ich habe schon immer gesagt, dass nicht alle meine Geschichten jedem gefallen werden und das wird sich nicht ändern. Jede meiner Geschichten mag abstoßen, überraschen und eventuell sogar unvorhergesehene und unerwünschte Regungen im Unterleib erzeugen. Das ist Teil des Pakets.
Niemand muss alles von mir lesen. Ich rate sogar davon ab, weil mir bislang noch nicht viele untergekommen sind, die mir an Verrücktheit nahekommen. Ich werde allerdings damit fortfahren und ich denke, dass es irgendwie Kunst ist. Ja, ich bin s dreist.

2015 wird sicherlich mehr von dieser Art Kunst sehen. Ich hoffe inständig, irgendwann den Dreh raus zu haben und eine gewisse Regelmäßigkeit reinzubringen. Jeden Monat eine Geschichte oder einen Fortsetzungsteil in jeder Sprache peile ich weiterhin als ersten Milestone an. Dazu will ich versuchen, besondere Gelegenheiten mit thematischem Potential zu verhackstücken - also Valentinstag, Ostern, Halloween, Weihnachten und dergleichen.
Das alles soll dazu dienen, meine Präsenz auch auf Patreon auszubauen, wo man mich mit regelmäßigen Spenden unterstützen kann. Und dafür muss ich schließlich auch was bieten.
Den Rest der Zeit werde ich vielleicht in größere Projekte investieren. Ein paar potentielle Romane liegen auf meiner Festplatte rum und harren der Fortführung. Einige mögen sogar was taugen.  Und Auftragsgeschichten werde ich auch noch mehr schreiben. Vermutlich wird das irgendwann als Erstes das Potential bieten, damit die Miete zu zahlen. Ich hätts nicht gedacht, aber es ist so.

Kann ich das alles schaffen und werde ich es einhalten? Man wird sehen.
Das reine Arbeitspensum der Schreiberei ist machbar. Wenn ich an einem Tag wie vorgestern in 15 Stunden satte 20.000 Worte zu Papier bringen kann, geht da einiges. Allerdings muss die Stimmung auch da sein, was vorgestern eindeutig der Fall war.
Sagen wir mal so: Ich werde es tun, und wenn ich daran scheitere und es nicht ganz klappt, werde ich deswegen nicht verzweifeln. Damit müsste dann auch Master Yoda zufrieden sein, oder?

So. Damit hätte ich meinen ‚Neujahrs-Blogpost‘ und nun wende ich mich der vagen Hoffnung zu, auch meinen bloggigeren Blog wieder mit regelmäßigerem Content aufleben zu lassen…

In diesem Sinne…

…frohes Neues und mögen in diesem Jahr deine Pläne zu deiner Zufriedenheit voranschreiten und sich einige deiner Wünsche erfüllen. Aber nicht alle, damit du noch was hast, worauf du dich freuen kannst. ;-)

Samstag, 2. August 2014

Random Shorts - Das Geschenk

Das Geschenk
Was beim Schenken wirklich zählt, ist die Absicht
© 2013/2014 Coyote/Kojote/Mike Stone

Mein Dank gilt Dominik, meinem ersten Unterstützer bei Patreon.com, dessen Großzügigkeit ich kaum genug betonen kann, weil er nicht einfach nur einen kleinen Beitrag leistet, sondern einen richtig spürbaren. Er ist der lebende Gegenbeweis dafür, dass alle Deutschen Geiz geil finden. Dafür bin ich ihm mächtig dankbar!

*****

Außerdem möchte ich Ralph danken, der sich auch entschlossen hat, mich bei Patron zu unterstützen. Dein Beitrag ehrt mich, macht mich glücklich und ist genau das, was ich mir erhoffe. Ich für meinen Teil hoffe, dir immer wieder reichlich Lesevergnügen zu verschaffen. ;-)
Ich danke dir für deine Unterstützung.


*****

Eine kleine Geschichte, die fast anderthalb Jahre darauf warten musste, dass ich endlich akzeptiere, dass sie genau so viel Sex beinhaltet, wie sie beinhalten soll.
Der Dank für den Hinweis darauf, dass es manchmal gut ist, wie es ist, gebührt wieder einmal den wunderbaren Ladies, die ich eigenmächtig und selbstsüchtig als mein Rudel bezeichne und die mir diesen Spaß gestatten… :-D

*****


„Ist es“, machte Irina einen neuen Anlauf und suchte, noch während sie sprach, noch einer weiteren Idee, „eine Dildoparty?“
Aufmerksam studierte sie dabei von der Seite das Gesicht ihrer Freundin. Sie achtete nicht auf den Weg vor sich. Und das musste sie auch nicht, denn Alessa hatte ihr den Arm um die Hüfte gelegt. Sie würde nicht mit irgendwas oder irgendwem kollidieren, wenn ihre Freundin sie führte. Sie konnte sich völlig darauf konzentrieren, nach Hinweisen zu angeln.
Bei diesem neuen Vorschlag verzog sich diesmal dann auch tatsächlich das wunderbare Gesicht zu ihrer Linken zu einem leichten Lächeln. Aber es war eher spöttisch.

Es war zum Auswachsen mit Alessa. Sie mochte spanische Eltern haben, aber ihre Vorfahren mussten aus Ägypten kommen, denn wenn die Schwarzhaarige wollte, konnte sie tagelang aussehen und blicken wie die Sphinx persönlich.
Selbst der Versuch, in ihren Augen einen Hinweis zu ergattern, prallte an irgendeiner Art mentalem Schutzschild einfach ab. Und das machte Irina wahnsinnig, denn sie liebte Überraschungen und musste einfach vorher herausfinden, was die Überraschung eigentlich war. Auch wenn sie hinterher kreuzunglücklich darüber war, es sich verdorben zu haben.
Einer Logik mochte das nicht folgen, aber solche Lappalien hielten Irina niemals auf.

„Aha!“, frohlockte sie triumphierend, denn das Lächeln war bislang der sichtbarste Hinweis überhaupt. „Du hast dich verraten. Jetzt weiß ich, dass es entweder was mit einer Party oder mit Dildos zu tun hat.“
Wie immer trug sie nicht nur ihr Herz, sondern auch ihre Gedanken direkt auf der Zungenspitze. Das mochte nicht hilfreich beim Fischen nach Informationen sein, aber es brachte Alessa zum Lachen. Und das war mindestens ebenso toll wie ein Rätsel zu lösen.
Lachend wandte ihre Freundin den Kopf und musterte Irina einmal kurz von oben bis unten.
„Ich will deinen detektivischen Spürsinn nicht infrage stellen, Süße. Aber wenn unser Outfit nicht schon Hinweise auf eine Party gegeben hat, dann vielleicht meine Aussage von vorhin, wir würden heute zu einer Art Party gehen, wo dich deine Überraschung erwartet.“

Irina zog Stirn und Nase kraus, als sie mit dieser Antwort und der dahintersteckenden Logik konfrontiert wurde. Zum einen, weil sie tatsächlich nicht mehr daran gedacht hatte, weswegen sie sich beide in ihre schärfsten Klamotten geworfen hatten. Und zum anderen, weil sie genau wusste, dass Alessa dieses Gesicht zum Küssen fand.
Nur um sicherzugehen, zog sie auch noch die Unterlippe unter die Zähne. Was ihr dann auch sofort den erhofften Kuss einbrachte. Wenn auch nur auf die Nase.
„Ha!“, rief sie dann. „Also ist es was mit Dildos!“

Alessa verdrehte die Augen und ein älteres Ehepaar, das von seinem Cockerspaniel spazieren geführt wurde, blickte zu ihnen hinüber. Fröhlich winkend und dem weitaus weniger entrüstet auf all die nackte Haut starrenden Mann eine Kusshand zuwerfend, kicherte sie in sich hinein.
„Du musst eine Außerirdische sein“, wiederholte Alessa einen ihrer Lieblingsvorwürfe. „Deine Denkstruktur ist einfach nicht mit Menschen kompatibel.“
„Und deswegen liebst du mich auch so“, stellte die Blondine gutgelaunt fest. „Weil ich so schwer durchschaubar bin und so außerirdisch gut aussehe.“
„Ich weiß manchmal wirklich nicht, warum ich dich lieben sollte“, lautete die Antwort.

Es war ein tausend Mal gespieltes Spiel zwischen ihnen. Und wie jedes Mal bliebt Irina sofort stehen und ließ den Kopf hängen. Sie konnte auf Kommando weinen und tat es auch immer dann, wenn es ihr gerade in den Kram passte. Sie wusste, dass ihr perfektes Bild des Jammers Alessa wahnsinnig machte.
Die wollte dann immer streng sein. Sie schimpfte manchmal auch ein oder zwei Sätze lang. Aber spätestens bei der ersten Träne war sie Beute. Und heute dauerte es nicht einmal bis dahin.

Es gab nur ein kurzes, genervtes Augenverdrehen bei der rassigen Schönheit und dann blickte sie in das Gesicht, das vor unendlicher Trauer, Einsamkeit und Enttäuschung geradezu überlief. Natürlich mit sorgsam niedergeschlagenem Blick, der nur durch Irinas Wimpern gerade eben so eine Beobachtung erlaubte. Sonst wäre der Effekt durch das Glitzern der Vorfreude in ihren Augen zerstört worden.
Schnell trat Alessa zu ihr und diesmal nahm sie ihre Freundin nicht nur in die Arme, sondern fegte sie fast von den Beinen, bis sie mit dem Rücken an der nächsten Hauswand stand.

„Ich hasse es“, raunte sie und sah nun aus, wie eine zornige Rachegöttin.
Bis auf die Augen, die in dieser Situation immer den winzigen Funken Unsicherheit enthielten, ob sie vielleicht doch einmal Irinas Gefühle verletzt haben mochte. Und genau das war das Großartige an diesem Spiel.
Das und… der Kuss, den Alessa ihr als Nächstes gab.

Dieser Kuss, bei dem sie ihren Körper umfing und an die Wand drückte und mit ihren Händen packte und festhielt. Dieser Kuss, bei dem sie die Augen offenließ, bis Irina in der echten Liebe darin ertrank und ihre Lider sich von selbst schlossen. Der Kuss, bei dem aus den energischen Berührungen ihrer Lippen ein forderndes Vordringen ihrer Zunge wurde, die auf die wunderbarste Weise fragte, ob alles in Ordnung war.
Worauf Irinas Zunge die Antwort lieferte. Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste und so lange es eben dauerte. Selbst wenn sich Trauben aus Schaulustigen bildeten.

‚Oh, nein‘, sagten Irinas blaue Augen zu den beinahe schwarzen ihrer Freundin, als sie wieder sehen konnte. ‚Nein, du hasst es nicht. Du liebst es. Und ich liebe es, wie du nur mit deiner Zunge Sex auf offener Straße mit mir machst.‘
Und derweil sagten ihre Lippen alles, was sonst noch wichtig war: „Ich liebe dich mehr als mein Leben.“

*****

Alessa hätte am liebsten frustriert gestöhnt. Aber sie war wie immer atemlos in dem Moment gefangen.
Jedes einzelne Mal, wenn Irina dieses verdammte Spiel spielte, wollte sie ihr die Ohren langziehen und nicht darauf eingehen. Und dann blickte sie in das Gesicht, das sie so sehr liebte, sah die verdammt noch mal gespielte Trauer darin und wurde zu Butter in der Wüste.
Aber wenn sie ganz ehrlich war, dann war der unvermeidliche Kuss den ganzen Ärger wert. Nichts ließ sich damit vergleichen, Irina zu küssen. Vor allem dann nicht, wenn die nach Liebesbeweisen angelte.

Die kleine Halb-Russin mit den fast weißen Haaren war eine Hexe. Daran bestand kein Zweifel. Und Alessa fragte sich manchmal, wie ihre Kleine sich ihre Naivität und Unbefangenheit hatte bewahren können. Vor allem, wenn man ihre Vorgeschichte bedachte.
Aber egal wie - es war einer der Gründe, weswegen Alessa ihre Freundin so sehr liebte, dass es schon fast wehtat. Sie mochte unlogisch, sprunghaft, launisch, impulsiv, unkontrollierbar und ohne jeden Sinn für Anstand sein, aber ihre Liebe konnte Eisberge schmelzen.
Eisberge wie Alessa…

„Wenn wir nicht verabredet wären“, drohte sie leise.
„Mit wem denn?“, fragte Irina sofort und ihre Neugier trat wieder in den Vordergrund.
„Lass dich überraschen“, murmelte sie.
Schnell zog sie ihren Schutzschild wieder hoch. Irina konnte jedes Geheimnis aus einem herausholen, wenn man ihr die Gelegenheit gab. Nur das, was die kleine Blondine als das ‚Sphinxgesicht‘ bezeichnete, war ein wirksamer Schutz. Und heute schützte es auch davor, dass Irina die Unsicherheit, Nervosität und simple Angst ihrer Freundin bemerkte.

Was würden die kommenden Stunden bringen? Sie fragte es sich schon seit Tagen. Stellte ihre Idee immer wieder in Frage und hatte schon ein paar Mal kurz davor gestanden, das Event abzusagen. Es war ganz und gar nichts, womit sie sich so richtig wohlfühlte.
Aber wenn sie auf eines bauen konnte, dann auf die Liebe ihrer Kleinen. Das war die einzige Konstante in Irinas Wesen und auch der heutige Abend würde daran nichts ändern.
Es war keine Gefahr. Sie hatte es durchdacht und mit dem einen Mann besprochen, auf dessen Wort man bauen konnte. Und dessen Mithilfe sich bei der Organisation als unschätzbar wertvoll erwiesen hatte.

„Komm“, sagte sie und zog ihre Freundin wieder an ihre Seite.
Zielstrebig ging sie weiter und ließ sich von den Versuchen Irinas, mehr über die Überraschung zu erfahren, von ihren Sorgen ablenken.
Bis sie schließlich das Ziel erreichten. Und damit zunächst einmal den Mann, dessen Anregungen und Fragen ihre wohlgeordnete Welt zwischenzeitlich fast ebenso sehr durcheinandergebracht hatten, wie es eigentlich nur Irina konnte.

„Al!“, jubelte die kleine Hexe, als sie um die Ecke bogen und ihn an eine Wand gelehnt stehen sahen.
Er blickte auf und schnippte die Zigarette rechtzeitig weg, um die Blondine zu fangen, die sich sofort von Alessa gelöst hatte und auf ihn zugestürmt war. Wie immer sprang sie ihn einfach an und vertraute darauf, dass er sie fangen würde.

Die Spanierin hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, wie abgöttisch ihre Freundin diesen Mann liebte. Und bei ihm allein spürte sie keine Eifersucht. Auch wenn es lange gedauert hatte, damit ins Reine zu kommen.
Wenn sie ehrlich war, fühlte sie selbst ihm gegenüber auch starke Gefühle. Sie gestattete ihm nicht einfach, sie zu umarmen. Sie musste nicht die Zähne zusammenbeißen, um es zu ertragen. Sie fühlte die Zuneigung, die er ihr entgegenbrachte, und teilte sie.
Auch wenn sie heute seine Anwesenheit mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nahm.

*****

„Bist du meine Überraschung?“, fragte Irina neugierig, während sie sich an ihn klammerte.
Sicherlich war es kindisch, sich ihm entgegenzuwerfen, als wäre sie noch ein Kleinkind. Aber für damenhaftes Verhalten war Alessa da. Sie selbst war eben kindisch. Und wem das nicht passte, der lernte die Farbe ihrer Zunge und die Länge ihres Mittelfingers kennen. Basta.

„Hast du es nicht rausbekommen?“, fragte er lachend und hielt sie in den Armen.
„Sie hat die Sphinx gemacht“, schmollte sie.
„Verdammt“, fluchte er. „Was für ein Glück.“

Irina freute sich. Er verstand sie. Warum auch immer. Und wie auch immer er das machte, denn sie verstand sich ja meistens selbst nicht richtig.
Glücklich legte sie einen Arm um Alessa, als die hinzutrat, um Al ebenfalls zu begrüßen.
„Gruppenkuscheln!“

Für diesen Augenblick war ihr Geburtstag bereits perfekt. Al und Alessa waren bei ihr und hielten sie im Arm. Es gab nichts Wichtigeres auf der Welt.
Aber ihr war klar, dass seine Anwesenheit nicht die Überraschung sein konnte, denn mit ihm trafen sie sich öfter. Und daraus hätte Alessa auch kein solches Geheimnis gemacht. Also kam da noch was. Und das es nun unmittelbar bevorstehen musste, konnte sie sich gedulden.
Die zehn Sekunden waren drin.

„Bist du bereit?“, fragte er.
Aber er fragte nicht sie, sondern Alessa.
Nanu?
„Ich denke schon“, antwortete ihre Liebste.

Da war ein Unterton in ihrer Stimme, den Irina so nicht kannte. Irgendwas war im Busch und sie löste sich von Als Hals, um ihre Freundin anzusehen. Aber sie kam nicht dazu.
Sanft, aber bestimmt griff Alessa ihren Kopf und drehte ihn nach vorne. Und dann legte sie ihr eine Augenbinde um. Das Letzte, was sie sah, war das sehr ernste Gesicht von Al, der an ihr vorbei blickte.
Und für einen Moment war es auch das Letzte, was sie deutlich hörte, denn Alessa legte ihr danach fest die Hände auf die Ohren.

Natürlich hörte sie noch, wie die beiden sich unterhielten. Aber sie verstand kein Wort. Und irgendwie wurde ihr mulmig, denn die lockere Stimmung hatte einer Angespanntheit Platz gemacht, die so gar nicht zu einer witzigen Überraschung passen wollte.
Die Hände verschwanden von ihren Ohren und schnell angelte sie blind nach einer davon. Sie brauchte den Druck von Alessas Fingern, damit sich der Koten der Furcht nicht in ihrem Bauch festsetzen konnte.
Aber… warum zitterte ihre Liebste so?

„Du vertraust uns?“, fragte Al überflüssigerweise.
Irina schluckte und nickte.
„Dann führen wir dich jetzt zu deiner Überraschung. Und für dieses Spiel gibt es nur zwei Regeln“, erklärte er ernst. „Wenn kurz unterbrochen werden soll, was immer passiert oder dir etwas unangenehm ist, sagst du Banane. Und wenn alles sofort stoppen soll und nicht mehr weitergehen darf, sagst du Tomate.“

Irina zog Stirn und Nase kraus. Das waren die Worte, die sie mit Alessa zusammen benutzte, wenn es um Sex ging. Ihre Safeworte, die sie noch nie benutzt hatte. Wozu brauchte sie die heute…?
„Was habt ihr vor?“, fragte sie ernst.
Aber sie bekam keine Antwort.

Alessa führte und sie folgte - wie sie es immer tat. Durch eine Tür, eine Treppe hinab und in einen Raum, der von leisem Gemurmel erfüllt war. Gespräche, Zigarettenrauch, Aftershave in verschiedenen Varianten und ganz leise Musik.
Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und eine vage Ahnung füllte ihren Bauch mit Furcht und… Erregung. Es gab eine Fantasie, die sie niemals mit Alessa geteilt hatte. Eine Fantasie, die sie niemals ihrer Freundin abverlangt hätte. Von der sie sich nicht einmal sicher war, ob sie schön oder schrecklich war. Und die anwesende Menschen erforderte.
Aber… Alessa würde niemals…

Der Boden veränderte sich. Teppich würde zu einer glatten Oberfläche, die ihre Schritte deutlich hörbar machte. Dann stoppte Alessa und ließ ihre Hand los.
Unwillkürlich sagte sie ängstlich: „Verlass mich nicht!“
„Nicht eine Sekunde“, wisperte ihre Freundin in ihr Ohr.
Es klang entschlossen. Und dunkel. So wie sonst, wenn sie die Kontrolle übernahm und von Irina verlangte, sich ganz in ihre Hände zu begeben.
Also tat die Blondine genau das: Sie gab sich in die Hände des Menschen, dem sie absolut vertraute.

*****

Irina hatte die ganze Zeit über leicht gezittert und Alessa hoffte, dass dadurch ihre eigene Nervosität nicht bemerkt worden war.
Sie wagte es nicht, den Blick zu heben. Sie wollte gar nicht wissen, was sie sehen würde. Sie musste sich ganz und gar auf Irina konzentrieren, oder sie würde die Nerven verlieren.
Es half, dass ihre Kleine sich sichtlich entspannte, als sie ihr versicherte, sie nicht allein zu lassen.
Vertrauen…

Trotzdem war es nicht leicht, sich daran zu machen, die Schnürung von Irinas Lederkorsage zu öffnen. Alessa hatte es tausend Mal getan, aber heute war sie nicht mit ihrer Freundin allein. Heute waren viele Augen auf sie gerichtet.
Es half, dass Irina leise keuchte, als sie fühlte, was passierte.
„Oh, Gott…“, hauchte sie fast unhörbar.
Nun zitterte sie wieder. Aber es war ein anderes Zittern. Vielleicht Unsicherheit, aber auch ganz sicher Erregung. Ohne jeden Zweifel.

„Ich glaube es nicht…“, wisperte die kleine Blondine, während Alessa das Kleidungsstück löste und beiseitelegte.
„Ich auch nicht“, antwortete sie leise und küsste sachte das niedliche, kleine Ohr.
„B-ba…“, setzte Irina an.

Alessas Herz machte einen Sprung. Sie sah an all den kleinen Zeichen, dass Irina bereits maßlos erregt war. Sogar die Männer jenseits des Lichtkegels mussten das schon erkennen können, denn die süße, kleine Brust ihrer Freundin lag schon frei und es war alles andere als kalt im Raum.
Und trotzdem wollte sie unterbrechen, was gerade geschah. Und zwar für Alessa.

„Schhh…“, machte sie und legte einen Finger auf die niedlichen Lippen, die darunter bebten. „Es ist okay. Es ist für dich. Und wenn es dich glücklich macht, ist es für mich auch schön.“
Und irgendwie war das sogar richtig. Auch wenn ihr das auf der bewussten Ebene seltsam vorkam. Sie blickte auf die bebenden Lippen und die kleine Träne, die unter der Augenbinde hervorkam. Und sie sah das Zittern des geliebten Körpers und die aufgerichteten Poren.
Was immer passieren würde, war für Irina. Und wenn sie es genoss, war es gut so.

„Über dir ist eine Stange“, flüsterte sie, ohne eine Antwort abzuwarten. „Greif danach und lass nicht los, bis ich es dir sage.“
Irina reagierte sofort und streckte sie Arme nach oben, bis sie das Metall zu fassen bekam. Sie war ein Wildfang, aber wenn sie erregt war, tat sie praktisch alles, was Alessa ihr sagte. Und legte dabei einen bedenklichen Mangel an Vernunft an den Tag, mit dem die Schwarzhaarige erst einmal hatte umgehen lernen müssen.
Heute war es allerdings gut so. Und es verfehlte auch seinen Effekt nicht.

Das Gemurmel aus der Dämmerung jenseits des Lichtkegels wurde kurz zu einem Raunen, bevor es sich wieder normalisierte. Irina stellte sich nun ohne Zweifel vor, wie sich Dutzende Augenpaare auf ihren Körper richteten. Ein leises Wimmern kam über ihre Lippen und ihre Brustwarzen wurden noch härter als zuvor.
Es gefiel ihr. Und irgendwie… jagte es auch einen heißen Schauer über Alessas Rücken.
Langsam trat sie einen Schritt zurück und betrachtete den gestreckten Körper. Jeder, ob Mann oder Frau, musste dieses Kunstwerk bewundern. Es ging gar nicht anders.

Irina war eine Ballerina, auch wenn sie diesem Beruf nicht mehr nachging. Sie war federleicht und gertenschlank. Wäre sie nicht so entsetzlich zierlich gewesen, hätte man ihr Gewicht bedenklich finden können. So war sie einfach nur filigran.
Ihr weißblondes Haar war kaum schulterlang und bildete einen Rahmen für ihr sichtbar slawisches Gesicht. Auch wenn die funkelnden, blauen Sterne ihrer Augen verdeckt von der Binde verdeckt wurden, war kein Zweifel an ihrer Schönheit möglich.
Was die unsichtbaren Betrachter allerdings vermutlich mehr interessierte, waren die beiden kleinen Hügel auf ihrem Oberkörper, die durch die Streckung noch ein wenig flacher wirkten als sonst. Kleine Brüste musste man mögen. Aber wenn man es tat, liebte man diese beiden Erhebungen ganz eindeutig.

Bedächtig trat Alessa hinter ihre Freundin und streckte selbst die Arme aus. Hauchzart ließ sie ihre Fingerspitzen von den Handgelenken hinab wandern. An den Innenseiten der Arme entlang, durch die Armbeugen und dann nach vorne unter die Achseln und weiter hinab bis zum Bund des Lackrocks.
Tat man das bei Irina in einer alltäglichen Situation, kringelte sie sich nach zwei Zentimetern auf dem Boden und bekam vor Lachen keine Luft mehr. Aber wenn sie erregt war, stöhnte sie bereits auf halber Strecke hörbar.
Heute atmete sie nur noch stoßweise als Alessa unten ankam. Niemand im Raum konnte überhört haben, wie sehr sie die Reise dorthin genossen hatte.

Aus reiner Freude daran, wie ihre Freundin zuckte, stöhnte und gelegentlich winselte, widerholte Alessa das Spiel einige Male. Hinauf, hinab und wieder hinauf. Dann ließ sie von ihr ab. Und packte nach einigen Sekunden fest zu, um mit der ganzen Handfläche wieder hinabzufahren.
Erst dann erinnerte sie sich wieder an die Zuschauer, die den leisen Aufschrei von Irina mit lauterem Raunen kommentierten. Und seltsamerweise stachelte sie das mehr an, als es sie abstieß.

„Sie wollen mehr von dir sehen“, wisperte sie ins linke Ohr und ließ ihre Zungenspitze über die Muschel tanzen.
Irina konnte nur japsend einatmen, während ihre Freundin ihr Wissen über ihre empfindsamsten Körperstellen ausnutzte.
„Willst du es ihnen zeigen?“

*****

Irina fühlte ihr Herz direkt am Ansatz ihrer Zunge rasen. Sie bekam keine Luft, obwohl sie andauernd einatmete.
Schon die Berührung der Fingerspitzen hatte sie elektrisiert. Die Hände waren wie ein Stromschlag gekommen und nun brachte die Zunge an ihrem Ohr sie um den Verstand. Sie war sicherlich schnell auf hundertachtzig und bereit für jede Schweinerei. Aber allein das Wissen darum, beobachtet zu werden, brachte sie heute ab der ersten Berührung an den Rand des Abgangs.
Dementsprechend konnte sie die Frage erst gar nicht verstehen. Sie hörte die Worte, aber sie ergaben keinen Sinn.

Dann fiel ihr die einzige Antwort ein, die sie geben konnte: „Ich gehöre dir.“
Sie musste es sich abringen, denn sie bekam noch immer keine Luft. Und das wurde schlimmer, als sich Alessas Arme fest um sie schlossen, ihre Brüste hart packten und die geliebte Stimme ihr ins Ohr fauchte.
„Verdammt richtig! Und ich mache mit dir, was ich will!“

Irina hielt sich nicht zurück. Sie schrie laut auf, als sie gepackt wurde, und wimmerte in ihrer Muttersprache vor sich hin. Das Blut schoss von ihrem Ohr, in dem es eben noch wie ein Wasserfall gerauscht hatte, direkt in ihren Schoß, wo es den Wasserfall gleich Wirklichkeit werden lassen würde.
„Und vielleicht will ich dich heute Nacht sogar ausleihen“, hauchte Alessa, plötzlich unendlich sanft.
Nicht so sanft war das, was sie mit Irinas Nippel anstellte. Es war hart, schmerzhaft und genau das Richtige, um die erste Flutwelle loszutreten, die schon fast ausreichte, um ihr das Bewusstsein zu rauben.

Mit letzter Kraft hielt sie sich fest, während sie einen kleinen Orgasmus hinaus schluchzte. Dann erst traf die Bedeutung der Worte bei ihr ein.
Sie riss die Augen auf, als die Worte noch einmal Revue passierten. Natürlich war das zwecklos, aber es passierte einfach so. Das konnte Alessa nicht ernst gemeint haben!

„Oh, ich weiß von deinem Geheimnis“, flüsterte die geliebte Stimme zärtlich weiter in ihr Ohr. „Ich weiß von deiner Fantasie. Und ich wollte deswegen wütend auf dich sein.“
Schluchzend versuchte Irina, Worte zu formen. Um Vergebung zu bitten. Sich zu entschuldigen.
„Schhh…“, machte Alessa. „Du bist, wie du bist. Und ich liebe dich, wie du bist. Ich weiß, dass du es niemals von mir verlangen würdest. Aber ich kann auch das Wissen nicht ertragen, dass du dich immer nach etwas sehnst, was du nicht bekommen kannst, weil ich es dir nicht geben kann.“

Irina bemerkte nur ganz am Rande, wie Alessa ihren Rock öffnete und er zu Boden glitt. Aber sie hörte das Raunen im Raum und sie wusste, dass die Männer nun sahen, wie sie auslief. Scham und Erregung stiegen sprunghaft an.
„Toma…“, wollte sie keuchen, aber Alessa verschloss ihren Mund.
„Wag es nicht, die Anständige zu spielen“, zischte sie. „Man kann mittlerweile sogar riechen wie spitz du bist. Du willst es. Gib es zu.“

Sie wollte den Kopf schütteln, nickte aber stattdessen. Es war schließlich die Wahrheit. Die schreckliche, widerwärtige Wahrheit.
„Ich v-verdiene dich n-n-nicht“, stammelte sie unter Tränen, als die Hand verschwand.
„Du verdienst eine Tracht Prügel. Und die wirst du auch bekommen, wenn dieser Tag vorbei ist“, drohte Alessa.
Aber diese Drohung barg mehr als nur ein wenig Hoffnung, denn nichts war intimer, als von Alessas Hand bis an die Grenzen ihrer Fähigkeit getrieben zu werden, Schmerz zu ertragen. Nicht einmal die besitzergreifendsten Küsse, die sie ihrer Freundin immer wieder abluchste.

Plötzlich fühlte sie, wie Alessa sich von vorne an sie presste. Und es war nichts zu fühlen von ihrem spitzenbesetzten Oberteil. Da war nur nackte Haut. Die heiße, nackte Haut ihrer wunderbaren Brüste. Trotz der zuschauenden Männer hatte sie sich ausgezogen.
„Heute verdienst du aber… Schwänze“, sagte Alessa nun wieder ganz sanft. „Und du wirst sie von meiner Hand erhalten. So viele, wie du verkraften kannst.“
„Angst!“, keuchte sie in ihrer Muttersprache.
Sie verlor nicht nur den Boden unter den Füßen, sondern auch jeden Halt.

„Davor, dass ich dich danach verabscheue?“, fragte Alessa.
Irina konnte nur nicken.
„Diese Angst hast du mir inzwischen genommen. Ebenso, wie die Angst, dich zu verlieren“, sagte sie fest. „Irgendwie… reizt mich der Gedanke jetzt, dich festzuhalten und dabei zuzusehen, wie du genommen wirst. Und dich… reizt er doch auch…“

Irina konnte nicht anders als laut aufzustöhnen, denn Alessa griff ihr bei den letzten Worten in den Schoß. Und der war mehr als bereit für das grobe Eindringen der Finger in ihre Muschi. Sie war bereit für jede Art von Eindringling.
„Lass dich fallen“, forderte Alessa. „Ich bin bei dir und alles, was du bekommst, bekommst du von mir. Du wirst meinen Namen schreien, wenn du kommst. Du gehörst nur mir und ich kann jedes Spielzeug an dir benutzen, das mir einfällt.“

Als Antwort schrie Irina tatsächlich: „Lessa!“
Denn ihre Liebste brachte sie mit ihren wissenden Fingern schnell zur Explosion. Und wie so oft sah sie dabei Sterne.

*****

Alessa fing ihre Kleine auf, als die sich nicht mehr länger festhalten konnte. Sie hielt den zuckenden Körper im Arm und die Finger in der bebenden Spalte still. Und sie fühlte die tiefe Verbundenheit, die sie gerade beschworen hatte.
Ihre Worte waren ebenso sehr für sie selbst bestimmt gewesen, wie für Irina. Sie musste sich selbst überzeugen. Und es gelang ihr auch.

Nein. Der Gedanke daran, Irina mit Männern zu teilen, war nicht erregend oder reizvoll. Aber die Lust ihrer Süßen war es. Und das Wissen darum, dass die sich eher eine Hand abhacken würde, als um dieses Geschenk zu bitten.
‚Biologisch betriebene Dildos‘, hatte Al es genannt. Mehr war es nicht. Sie würden alle Masken tragen und keiner von ihnen würde ein Wort sagen. Sie stammten aus Kreisen, die so weit entfernt von ihrer beider Zirkel waren, wie es möglich war. Und sie waren sorgsam nach ihrer Fähigkeit gewählt, sich diskret zu verhalten, selbst wenn sie den Frauen einmal begegnen sollten.
Und schließlich war es Irinas Geburtstag…

Wie in Trance brachte sie ihre Freundin zu einem runden Bett und zog sie in ihre Arme. Mit den Kissen im Rücken legte sie sich hin und platzierte Irinas Oberkörper zwischen ihren Schenkeln. Weit genug unten, um deren Becken an den Rand der Liegefläche zu bringen.
Sofort streckte ihre Süße die Arme nach hinten, schlang sie um ihren Körper und klammerte sich an sie. Sie zitterte heftig vor Aufregung und schluchzte leise. Aber das ließ nach, als Alessa ihre Hände auf die beiden kleinen Brüste legte und sie beruhigend streichelte.

Der Umzug aufs Bett und die eingenommene Position waren das vereinbarte Signal. Unruhe kam in die Schemen jenseits des Lichts und bald näherte sich einer von ihnen. Alessa fühlte ihr Herz bis hinauf in ihren Hals schlagen.
Irina fühlte ihre Anspannung, auch wenn sie nicht wusste, dass gerade der erste Mann ins Licht trat. Er war nackt, bis auf eine Maske, die sein ganzes Gesicht bedeckte. Sie löste eine Hand und streifte die Augenbinde ab, bevor Alessa eingreifen konnte. Aber in der nächsten Sekunde wollte sie das auch schon nicht mehr.

Noch bevor sich Alessa zu lange mit dem Anblick des Fremden beschäftigen konnte, saugten Irinas Augen sie in sich hinein. Den Kopf weit in den Nacken gelegt, blickte ihre süße kleine Hexe ohne Umwege direkt in ihr Gesicht. Von den Tränen klar gespült und mit einer Intensität strahlend, die sie nie zuvor erlebt hatte, suchten die blauen Sterne den Blickkontakt zu ihr.
Es waren nicht Vorfreude und Erregung, die zweifelsfrei auch vorhanden waren, es waren Sorge und Liebe in ihrem Blick, die Alessa die Angst nahmen. Es war gut, dass die Augenbinde weg war, denn unter diesem Blick konnte Alessas Furcht nicht bestehen.
Da lag die Frau, die sie liebte. Und diesmal trug sie ihr Herz nicht auf der Zunge, sondern in ihrem Blick. Es konnte keinen Zweifel geben. Die schiere Intensität des Ausdrucks in diesen hellblauen Leuchtfeuern der Liebe brannte ihn einfach fort.

Am Rand ihrer Wahrnehmung sah sie den Schatten auf den geliebten Körper fallen. Aber sie blickte nicht auf. Alles, was sie wissen musste, sagte ihr das geliebte Gesicht.
Die Augen weiteten leicht sich, als der Mann Körperkontakt herstellte. Dann nahm die Miene einen konzentrierten Ausdruck an und schließlich zuckte sie mehrmals ganz leicht. Also streichelte er sie zur Vorbereitung ein wenig.
‚Ich bin bereit“, formte sie tonlos mit den Lippen.
Und Alessa wiederholte es mit rauer Stimme laut für den Fremden. Für den Mann. Den Kerl, der ihre Geliebte nun besteigen würde und seinen dreckigen…

Nein. Das war es nicht, was in Irinas Augen stand.
Da stand das Staunen, wenn etwas Großes sie ganz langsam dehnte und sich in ihr Inneres schob. Das Staunen, das so wunderbar dem eines kleinen Kindes glich, das sein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum auspackte. Dieses wunderschöne Staunen.
Ihre Augen wurden groß und ihr Blick verlor für einen Moment jeden Fokus. Die Spitze des Eindringlings schob sich nun langsam vorwärts und passierte den magischen Punkt, den nur Alessas Finger gezielt erreichen konnten. Ein Schauer ging durch Irinas Körper und ein leises Stöhnen löste sich aus ihrer Kehle.

Alessa staunte selbst. Nie hatte sie untätig beobachten können, was im Gesicht ihrer Freundin vor sich ging. Immer war ein Teil ihrer Konzentration darauf gerichtet, dieses Mienenspiel auszulösen. Bis heute.
Fasziniert sah sie dabei zu, wie die Lippen sich kurz zu einem Lächeln verzogen und sich dann zu einem kleinen ‚o‘ formten, während ihr fast die Augen übergingen. Nun war der Eindringling bis in die tiefste Tiefe vorgestoßen. Weiter durfte er nicht drängen.
Aber das tat er auch nicht. Stattdessen zog er sich zurück. Es war die Mischung aus leichter Enttäuschung und dem Genuss der Bewegung auf der Miene, die ihr das zeigte.

Das Schauspiel wiederholte sich und bezauberte Alessa. Es mochten nicht ihre Handlungen sein, die langsam die Ekstase in den Blick trieben. Aber es war ihr Geschenk. Und nun schenkte ihr Irina ihre Lust.
Immer, wenn sie ihren Blick fokussieren konnte, brannte er sich tief in die Seele der Spanierin. Und wenn sie ins Leere starrte, galten ihre Gedanken ihrer Liebsten. Röte wanderte auf ihr Gesicht und ihren Hals. Schweißperlen bildeten sich und aus dem leisen Stöhnen wurde lautes Keuchen.
Ein Grunzen ertönte und dann noch eines. Auch die Atmung des Mannes wurde lauter. Bald würde er soweit sein. Weit vor ihr. Aber er war nur der Erste in einer langen Reihe von Freiwilligen.

*****

Irina konnte keinen einzigen, zusammenhängenden Gedanken halten. Sie wurde gefickt. Von einem Schwanz. Und es war himmlisch.
Aber das Wichtigste war, dass sie Alessas Gesicht über sich sehen konnte. Alessa, deren Großzügigkeit sie dieses Erlebnis verdankte. Alessa, die den Mittelpunkt ihres Lebens darstellte.
„Alessa…“

Ihre Liebste zuckte zusammen, als Irina ihren Namen seufzte. Sie war so konzentriert. So gefangen von dem, was sich auf Irinas Gesicht abspielen musste.
Und Irina war gefangen von der Tiefe ihrer Augen, die sich sonst so gern verschlossen zeigten. Die Sphinx hatte Urlaub. Alessas Seele lag bloß. Und Irina hätte heulen können vor Glück. Also tat sie genau das.

Der erste Mann hielt ihre Beine unter ihren Knien und fickte sie mit langen, gleichmäßigen Stößen. Bis er immer heftiger schnaufte und sie schließlich fühlte, wie er kam. Es war wie in ihrer geheimsten Fantasie. Er hielt nicht inne. Er kümmerte sich nicht einmal um sie. Er fickte sie nur.
Und er spritzte seinen Saft in sie hinein. Sie fühlte es deutlich. Und sie kam beinahe selbst, als sie es realisierte. Alessa hatte offenbar das gut versteckte Dokument gefunden, in dem sie ihren Traum schilderte. Auch wenn ihr wahrscheinlich nicht bewusst war, wie alt diese Geschichte war und wie wenig sie mit Emotionen zu tun hatte.
Schließlich war Lust für die Spanierin mit Liebe verknüpft. Nicht wie für Irina, die schon früh gelernt hatte, beides zu trennen.

Der nächste Mann kam und machte dort weiter, wo der Erste aufgehört hatte. Er war ein wenig dünner und länger. Aber er beherrschte sein Ding ebenso gut.
Er machte sich nichts daraus, dass der Saft seines Vorgängers aus ihr herausquoll. Er packte wieder ihre Beine und nahm langsam Fahrt auf. Bei ihm würde sie kommen. Ohne jeden Zweifel.

Als sie merkte, wie sie immer weniger Konzentration aufbringen konnte, zog sie hart an Alessa. Sie war nicht die Bestimmende in ihrer Beziehung, wollte es auch gar nicht sein, aber wenn sie etwas wollte - und gerade wollte sie das Gesicht ihrer Freundin bei sich haben - dann kämpfte sie darum.
Erst als sie die Nasenspitze von Alessa an ihrer Wange und deren Atem auf ihrem Gesicht fühlte, ließ sie ihre Beherrschung fahren. Wie von selbst stöhnte sie das eine Wort, das in ihrem Leben den Unterschied zwischen Einsamkeit und Glück ausmachte.
Sie stöhnte es, keuchte es und schrie es schließlich hinaus: „Alessa!“

All der Selbsthass, den sie immer gefühlt hatte, wenn sie es mit einem Mann trieb, war fort. Sie wurde benutzt und der Zweite füllte sie mit seinem Saft. Aber es war wunderbar.
Nach ihrem Höhepunkt fand sie lange genug zurück in die Wirklichkeit, um ihrer Liebsten das zu sagen. Auch wenn der dritte Schwanz hart an ihrer Konzentration nagte, denn er war dick und fühlte sich unwahrscheinlich gut an.

„Es war das Schrecklichste, was ich mir vorstellen konnte“, keuchte sie leise zum Ohr ihrer Freundin hinauf. „Erregend und gleichzeitig so abartig, dass ich schon bei dem Gedanken daran kotzen wollte. Und trotzdem kam ich fast schon bei der Vorstellung allein.“
Alessa rang schockiert nach Atem, als sie die Worte hörte. Aber Irina hielt sie fest und sprach weiter, solange sie konnte.
„Ich habe nie wieder daran gedacht, seit du bei mir bist. Es war nicht mehr wichtig, was vorher passiert ist. Du hast mir allen Kummer genommen. Und jetzt… jetzt machst du aus dem Schrecken ein Geschenk.“
Heftig nach Atem ringend und gegen einen neuen Höhepunkt ankämpfend, der viel früher kam, als erwartet, griffen ihre kleinen Hände hart zu.
„Ich - liebe - dich - so - un… Ahhlessaaah!“

Danach verloren die Dinge für Irina jeden Zusammenhang. Sie küssten sich, wann immer sie dafür den Atem fand. Sie liebten sich, während ein Mann nach dem anderen sich an ihr befriedigte. Irinas Welt bestand nur noch aus Alessas Gesicht, ihren Augen, ihren hungrigen Lippen und ihren Händen, die schließlich nicht nur den Weg zu ihren Brüsten fanden, sondern auch weiter hinab. Dorthin, wo Schwanz über Schwanz seinen Saft in sie hinein spritzte.
Es war ein Fiebertraum, der einfach kein Ende nahm.

Ein wundervoller, unendlicher Traum.